Lavandula angustifolia (Echter Lavendel)
Lavandula hybrida (Lavandin)
Lavandula latifolia (Spiklavendel)
Lavandula stoechas (Schopflavendel)
Lavandula dentata (Zahnlavendel)
Bildübersicht über die verschiedenen Lavendelarten
Die Jury des NHV Theophrastus hat für den Verein den ECHTEN LAVENDEL zur HEILPFLANZE DES JAHRES 2008 gekürt.
Verfasser: Prof.(em.) Dr. rer. nat. habil. Hans-Joachim Walther, Freital, 2007
Heilkundlich genutzte Lavendelarten
Botanische Merkmale
Historische heilkundliche Anwendung
Inhaltsstoffe und ihre Wirkung:
Lavendelöl (Lavandulae aetheroleum)
Lavandinöl (Lavandulae hybridae aetheroleum)
Spiköl (Spicae aetheroleum)
Schopflavendelöl
weiter zu Teil 2
Download des gesamten Artikels
Lavendel ist eine häufig in der Heilkunde und Parfümerie geschätzte Pflanzengattung. Dies gilt vor allem für den Echten Lavendel (Lavandula angustifolia).
Allerdings wurde von den Heilkundigen des klassischen Altertums der Echte Lavendel offenbar nicht verwendet, sondern nur eine verwandte Art. Stark duftende Lavendelzweige dieser oder einer ähnlichen Art verbrannten in der Antike die Perser, Griechen und Römer, um „schlechte Dünste“ in Krankenzimmern zu mindern oder den Ausbruch einer Epidemie zu verhindern.
Über die Ableitung des Namens Lavendel gibt es es verschiedene Anschauungen. Am meisten verbreitet ist die Ansicht, dass sich das Wort vom Lateinischen lavare (= waschen) ableitet, da man Lavendel schon bei den Römern gern dem Wasch- und Badewasser zusetzte.
Heilkundlich genutzte Lavendelarten
Von den 26 zur Gattung Lavandula gehörenden Arten sind die folgenden drogenliefernde bzw. therapeutisch wirksame Pflanzen:
Lavandula angustifolia: Synonyme und sonstige Bezeichnungen: Lavandula officinalis, Lavandula vera, Lavandula spica var. angustifolia; Echter Lavendel, Lavander, Kleiner Speik.
Lavandula hybrida: Synonyme und sonstige Bezeichnungen: Lavandula burnati, Lavandula ferandi, Lavandula guilloni, Lavandula hortenis, Lavandula intermedia; Lavandin.
Lavandula hybrida ist eine natürliche Kreuzung aus Lavandula angustifolia und Lavandula latifolia.
Lavandula latifolia: Synonyme und sonstige Bezeichnungen: Lavandula argentina, Lavandula spica, Lavandula spica var. latifolia, Lavandula vulgaris; Narde, Großer Speik, Spikenarde, Spiklavendel/Speiklavendel, Spikpflanze.
Lavandula stoechas: Synonyme und sonstige Bezeichnungen: Lavandula cadevallii, Lavandula cariensis u.a.; Schopflavendel, Welscher Lavendel
Lavandula dentata: Synonyme und sonstige Bezeichnungen: Zahnlavendel, Grüner Zahnlavendel, Lavandula dentata var.candidans (Silbriger Zahnlavendel).
Botanische Merkmale
Der Echte Lavendel gehört wie alle Lavendelarten zu den Lippenblütlern (Lamiaceae, Labiatae). Er ist ein stark duftender Halbstrauch mit einer Höhe bis etwa 60 cm und trägt schmale lanzettähnliche sowie filzig behaarte Blätter, die am Rand mehr oder weniger eingerollt sind. Die Blütezeit erstreckt sich von Juli bis August. Die hellblaue bis violette Blütenkrone ist etwa 1 cm lang und behaart. Der blaugraue Kelch der ungestielten Lavendelblüte ist zu einer Röhre verwachsen.
Die Frucht des Echten Lavendels besteht aus fetthaltigen glänzendbraunen Nüsschen. Das überaus angenehm duftende etherische Öl ist vor allem in den Blüten, aber auch in den Blättern enthalten. Weitere Inhaltsstoffe der Pflanze sind Gerbstoffe, Flavonoide, Phytosterole und Cumarine. Bezüglich der Bodenbeschaffenheit ist der Echte Lavendel anspruchslos und bevorzugt trockene, leichte und kalkhaltige Böden mit genügender Untergrundfeuchtigkeit.
Lavandula angustifolia stammt ursprünglich aus dem westlichen Mittelmeergebiet und kommt wildwachsend, halbkultiviert und kultiviert vor. Berühmt sind die kultivierten Lavendelfelder der Provence in Frankreich, bekannt aber auch die in Spanien und Südosteuropa. Ferner existieren Anbaugebiete in Russland.
Der Halbstrauch Lavandin erreicht eine Höhe von maximal 60 cm und trägt dunkelblau-violette Blüten. Sein etherisches Öl findet sich in den Blüten und Blättern. Der Anbau erfolgt in Südfrankreich, Großbritannien, Rumänien, im ehemaligen Jugoslawien, in Argentinien und auf der Krim.
Lavandula latifolia (Lavandula spica) ist ein Halbstrauch mit einer maximalen Höhe von 1 m. Die Blütenkrone besitzt eine blauviolette Färbung. Etherisches Öl findet sich in den oberirdischen Pflanzenteilen.
Lavandula latifolia ist verbreitet an der Mittelmeerküste in Frankreich und Italien, ferner im ehemaligen Jugoslawien, in Spanien und Portugal. Anbaugebiete befinden sich in Dalmatien und Spanien.
Der Halbstrauch Lavandula stoechas weist eine Höhe von 20-40 cm auf und entwickelt eine purpurrote Blütenkrone. Die oberirdischen Pflanzenteile enthalten 1-1,5% etherisches Öl.
Die Pflanze ist verbreitet im Mittelmeergebiet vom Nordosten Spaniens bis Griechenland und in Portugal. Anbaugebiete liegen im westlichen Indien.
Lavandula dentata erreicht eine Buschhöhe von etwa 1 m und trägt Blüten, die dunkelpurpur gefärbt sind. In den oberirdischen Teilen findet sich etherisches Öl. Die Pflanze ist in Süd-und Ostspanien sowie auf den Balearen verbreitet.
Historische heilkundliche Anwendung
Die Entdeckung der Heilkräfte von Lavendel scheint ein Verdienst der Klostermedizin gewesen zu sein. Die Äbtissin des Benediktinerklosters Rupertsberg bei Bingen, Hildegard von Bingen, erwähnt in ihrer Schrift „Physica“ unter dem Namen „Lavandula“ auch den Echten Lavendel, rät allerdings von seiner innerlichen Anwendung ab. Dagegen empfiehlt sie u. a. den „Wilden (Speik)lavendel“ als Abkochung mit Wein oder einer Wasser-Honig-mischung bei Leber- und Lungenschmerzen sowie die Anwendung von Lavendelblüten zur Bereitung eines Bades für die Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens.
In seinem Werk „Macer floribus“ behandelt der französische Mönch, Arzt und Schriftsteller Magdunensis (11. Jahrhundert) mehrere Arten des Lavendels. Zu seiner Wirkung heißt es:
„Er kräftigt die Leber, mäßigt den Magenschmerz und reinigt die Nieren durch den Harn.
Beißenden und stechenden Schmerz in den Eingeweiden behebt er. Und trinkt man ihn, so pflegt er die Windblähung .... hinauszutreiben. Auch einen starken Fluss aus der Gebärmutter dämmt sie, mit einem Wollzäpfchen von unten eingeführt. Mit kaltem Wasser gereicht, soll sie das Herzzittern beruhigen, ferner hemmt sie den Brechreiz.“
Im späten Mittelalter wird im „Gart der Gesundheit“ – ein von Johann Wonnecke von Kaul verfasstes Kräuterbuch – beschrieben, dass der Lavendel von der Gottesmutter Maria besonders geschätzt wurde, weil er zu einem keuschen Leben führe. Im Gart der Gesundheit wird ferner darauf hingewiesen, dass Lavendel auch gegen den Schlaganfall wirkt.
Interessant ist weiterhin, dass der berühmte Arzt und Chemiker Theophrastus Bombastus von Hohenheim (1493-1541) in seinen Räucher- und Duftrezepturen für die Krankenbehandlung u.a. Lavendel benutzte.
Ende des 16. Jahrhunderts machen die Kräuterbücher von Adam Lonitzer (Adamus Lonitzerus) und John Gerald (London) vielfältige Angaben über die Heilwirkungen von Lavendel (Spiklavendel, Lavandula latifolia), beispielsweise bei „Migräne“ sowie Atem-losigkeit und Überanstrengung des Herzens.
Im letztgenannten Jahrhundert berichtete auch ein provencialischer Historiker von Bauern seiner Heimat, die Lavendel destillierten und das gewonnene Produkt zu Behandlung von Wunden und als Wurmmittel benutzten.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts verbrannte man in der französischen Provinz in der Zeit von zwei großen Pestepidemien erhebliche Mengen Lavendel und andere aromatische Pflanzen in Häusern und auf Straßen, um mit dem duftenden Rauch die tödliche Krankheit einzudämmen.
Die hier beschriebenen historischen Anwendungen der verschiedenen Lavendelarten zeigen die hohe Wertschätzung dieser Pflanzengattung über die Jahrhunderte. Diese Heilanzeigen sind jedoch zum Teil aus heutiger therapeutischer Sicht nicht mehr aktuell oder haben sich verändert und weiterentwickelt.
Inhaltsstoffe und ihre Wirkung
Bedeutendster Wirkstoff von Lavendelpflanzen ist ihr etherisches Öl. Auch in dem Fall, dass das etherische Öl nicht in isolierter Form genutzt wird, sondern Pflanzenteile wie Blüten und Blütenstände verwendet werden, ist der herausragende Wirkstoff das etherische Öl.
Lavendelöl (Lavandulae aetheroleum)
Synonyme: Aetheroleum Lavandulae, Lavandulae oleum, Oleum Lavandulae.
Dieses Öl wird aus den frischen Blütenständen des Echten Lavendels (Lavandula angustifolia) durch Wasserdampfdestillation gewonnen. 120 kg Rispen ergeben etwa 1 kg etherisches Öl. Dieses ist eine klare, farblose bis schwach gelbliche, leicht bewegliche Flüssigkeit von charakteristischem Geruch und aromatischem, brennendem und schwach bitterem Geschmack.
Einzelbestandteile
(-)-Linalylacetat 30-40%
(-)-Linalool 20-35%
cis-Ocime 5-9%
trans-Ocime 3-4%
Lavandulylacetat 3-4%
1,8-Cineol unter 1%
Terpinen-4-ol 3-5%
Weitere Einzelbestandteile in sehr geringen Konzentrationen
Die Güte des Lavendelöls wird nach seinem Estergehalt und damit vor allem nach dem Linalylacetat-Gehalt bewertet. Das sogenannte „Lavendelöl extra“ gilt als beste Qualität.
Linalylacetat und Linalool besitzen ein gutes Hautpenetrationsvermögen. Wie Unter-suchungen zeigten, können die beiden Ölbestandteile auch bei ihrer Inhalation in das Körperinnere gelangen, wo sie im Blut und nach Überwinden der Blut-Hirn-Schranke auch im Gehirn analytisch nachweisbar sind.
Wirkung
Die antimikrobielle Wirkung ist besonders auf den Gehalt an Linalool zurückzuführen und konnte anhand zahlreicher Testmikroorganismen nachgewiesen werden.
Weitere Untersuchungen zeigten, dass das Lavendelöl nach oraler Aufnahme bzw. Inhalation durch folgende Eigenschaften gekennzeichnet werden kann: entkrampfend, neurodepressiv und motorikmindend.
Sowohl die genannten experimentellen Laboruntersuchungen als auch die klinischen Untersuchungen am Menschen beweisen die beruhigende und entspannende Wirkung des Lavendelöls bzw. der Lavendelblüten. Die Ergebnisse bestätigen auch die Aussagen der Erfahrungsheilkunde, d.h. der traditionellen Volksmedizin. Aufgrund der Befunde der Labor- und klinischen Untersuchungen hat die zuständige Bewertungskommission der BRD (Kommission E) in einer Monographie „Lavendelblüten, Lavandulae flos“ (veröffentlicht im Bundesanzeiger 1984/1990) die Wirkung der inneren Anwendung des Lavendelöls für das Indikationsgebiet „Befindensstörungen wie Unruhezustände, Einschlafstörungen, funktionelle Oberbauchbeschwerden“ anerkannt. Gleichzeitig wird die Anwendung von Lavendelblüten in der Balneotherapie zur Behandlung funktioneller Kreislaufstörungen empfohlen.
Lavendelöl wirkt nur in seltenen Fällen allergieauslösend oder phototoxisch.
Eine besondere Bedeutung kommt Lavendelöl – insbesondere dem von Lavandula angustifolia – in der heutigen Aromatherapie zu. In dieser wird die psychische Wirkung des etherischen Öls vom Echten Lavendel wie folgt beschrieben: ausgleichend, beruhigend, aufbauend, angstlösend und antidepressiv, bei Erschöpfung anregend und erfrischend.
Die körperliche Wirkung dieses Öls wird mit den nachstehenden Eigenschaften charakterisiert:
antibakteriell, entzündungshemmend, antiviral, schmerzlindernd, antiseptisch (desinfizierend), krampflösend, antimykotisch, durchblutungsfördernd, fiebersenkend, blutdruckregulierend, stark immunstimulierend, schlaffördernd, zellregenerierend, insektenabweisend, wundheilend
Als bewährte Anwendungsbereiche in der Aromatherapie werden für den alleinigen oder unterstützenden Einsatz angeführt:
Vorbeugung und Behandlung von Erkältungskrankheiten, Narbenpflege, Prophylaxe von Wundliegen (Dekubitus), Bronchitis, Bestrahlungsprophylaxe u. –nachsorge, Ohrenschmerzen, künstlicher Darmausgang (Stomapflege), Mittelohrentzündung, Gürtelrose, Fieber, Windpocken, Keuchhusten, Pilzerkrankungen (Candida albicans), Kopfschmerzen, Muskelverspannungen, Nervenentzündungen, Krampfanfälle, erhöhter Blutdruck, Gicht, Durchblutungsstörungen, Gelenkentzündungen, Krampfadern, Menstruationsbeschwerden, Unterschenkelgeschwür (Ulcus cruris), klimakterisches Syndrom, Hämorrhoiden, Blasenentzündung, Lymphstau nach Brustoperation, Wasseransammlung in den Beinen, Mundpflege, Schwangerschaftsstreifen, Bauchkrämpfe, Geburtsvorbereitung und Geburt, nervöse Magenschmerzen, Wochenfluss, Hautjucken, Brustdrüsenentzündungen, Insektenabwehr, nervös bedingte Muskelverspannungen, Fußschweiß, Schlafstörungen (auch bei Kindern), Verletzungen, Pubertätskrisen, Akne, depressive Verstimmungen, Wunden, Ängste, Verbrennungen (Sonnenbrand)
Betrachtet man die große Anzahl der angeführten Wirkungen (15) und Indikationen (48), die die Vertreter der Aromatherapie dem Lavendelöl zuschreiben, ergibt sich, dass sie dieses Öl oft als besonders bedeutsames Therapiemittel ansehen. Einige renommierte Vertreter der modernen Aromatherapie beschreiben die Wirkung des etherischen Öls mit folgenden Worten: „Das etherische Lavendelöl ist das wichtigste und beliebteste Öl in der Aromatherapie und –pflege. Wegen seiner umfangreichen Wirkweise gilt es als ein Öl, das alles und alle zu heilen und zu pflegen imstande ist.“/1/ Andere erfahrene Anwender der Aromatherapie betrachten diese Wertung kritisch und schätzen sie als überhöht ein.
Zur Diagnostik und Therapie der benannten Anwendungen wird die Konsultation eines kompetenten Therapeuten des Vertrauens empfohlen. Etherische Öle sind bei leichteren Erkrankungen separat einsetzbar, vielfach jedoch werden sie auch unterstützend als komplementäre Therapie genutzt.
Lavandinöl (Lavandulae hybridae aetheroleum)
Synonyme: Aetheroleum lavandulae hybridae, Oleum lavandulae hybridae.
Lavandin(öl) ist das mittels Wasserdampfdestillation gewonnene etherische Öl der Blütenstände von Lavandula hybrida (Lavandin). Die Blütenständen verbleiben nach Bündelung einige Tage auf den Feldern, bevor sie der Wasserdampfdestillation unterworfen werden. Die Ölausbeute beträgt 3-6%. Die Handelssorte „Grosso“ (seit 1975) stellt heute 60-70% der Erzeugung dieses Öls sicher, das einen Estergehalt von 40/42% besitzt.
Lavandin-„Grosso“-Öl ist eine dünnflüssige, klare hellgelbe Flüssigkeit mit charakeristischem, lavendelartigem, leicht campherartigem Geruch. Eine Ware mit einem Estergehalt von 50/52% wird unter der Bezeichnung Lavandinöl Super gehandelt.
Einzelbestandteile
(-)-Linalylacetat 30-50% und darüber
(-)- Linalool 25-50%
Campher 5-10%
1,8-Cineol 3-8%
Cariophyllen 2-4%
Terpinen-4-ol 2-4%
α-Terpineol 2-4%
Lavandulylacetat 1-3%
cis- und trans-β-Ocimen 1-2%
Lavandulol 1-1,5%
Borneol 1-1,5%
Limonen 0,5-1%
α- und β-Pinen 0,5-1%
in geringen Mengen finden sich weitere Stoffe
Wirkung
An zahlreichen Testmikroorganismen konnte eine antimikrobielle Wirkung des Lavandinöls nachgewiesen werden. Allergieauslösende Eigenschaften und ein Sensibilisierungspotential ließen sich nicht ermitteln.
In der Fachliteratur zur Aromatherapie wird die psychische Wirkung von Lavandinöl wie folgt charakterisiert: vitalisierend, ausgleichend, beruhigend.
Die körperliche Wirkung basiert auf den nachstehend angeführten Eigenschaften:
antibakteriell, immunstimulierend, antiviral, vitalisierend, entzündungshemmend, leicht kreislaufregulierend, zellregenererierend, muskelentspannend, (aber auch tonisierend), wundheilend, aggregationshemmend auf Blutplättchen
Die Literatur zur Aromatherapie nennt folgende bewährte Anwendungsbereiche für einen separaten bzw. komplementären Einsatz:
Erkältungskrankheiten, Insektenabwehr, Kreislaufschwäche, Bestrahlungsprophylaxe, Unterschenkelgeschwür(Ulcus cruris), Prophylaxe bei Wundliegen (Dekubitus), künstlicher Darmausgang (Stomapflege), Hämorrhoiden, Muskelverspannungen, Verletzungen und Wunden, Nervositä, Verbrennungen, Hautpflege
Spiköl (Spicae aetheroleum)
Synonyme: Aetheroleum spicae, Oleum Spicae.
Aus der Stammpflanze Lavandula latifolia isoliert man das Spiköl (Speiköl, Spikeöl) durch Wasserdampfdestillation. Dafür finden die blühenden, sonnengetrockneten Zweigsprossen Verwendung, die meistens von Wildbeständen stammen. Die Ausbeute liegt bei 0,5-1%. Das farblose gelbliche oder grünlich-gelbe Öl hat einen rauen, campherartigen Geruch.
Einzelbestandteile
Linalool 30-50%
1,8-Cineol 20-35%
Campher 1-25%
Außerdem im Spiköl gefundene Inhaltsstoffe sind u.a. Borneol (bis 30%), Geraniol, Linalylacetat (bis 15%), Cumarin und Ameisensäure.
Im Vergleich zum etherischen Öl des Echten Lavendels und dem Lavandinöl enthält Spiköl größere Mengen 1,8-Cineol, aber relativ wenig Linalylacetat.
Neuere Forschungsergebnisse zeigten, dass inhaliertes 1,8-Cineol nicht nur die Sinneszellen reizt, sondern auch in die Blutbahn gelangt, die Blut-Hirn-Schranke überwindet und schließlich an Rezeptoren des Hirns gebunden wird. Auf diese Weise kommt es zu einer Steigerung der motorischen Aktivität des Nervensystems.
Wirkung
Antimikrobielle Eigenschaften des Spiköls konnten anhand mehrerer Testorganismen ermittelt werden.
Eine antihämolytische Wirkung ließ sich u.a. dadurch nachweisen, dass die Hämolyse von α-Hämolysin stark gehemmt wird.
Wie weitere Versuche im Labormaßstab zeigten, kann durch Spiköl im tierischen Organismus die Wirkung des Streptokokkentoxins vermindert werden.
Untersuchungen an gesunden und an Lungentuberkulose erkrankten Menschen ergaben, dass Spiköl (oral verabreicht in magensaftresistenten Kapseln) eine Steigerung des Phagozytosevermögens der Leukozyten bewirkt.
Eine expektorierende Wirkung des Spiköl konnte sowohl beim Menschen als auch beim Tier (Kaninchen) nachgewiesen werden.
In der Erfahrungsheilkunde der vergangenen Jahrzehnte wurde in Olivenöl gelöstes Spiköl oral bei akuten und chronischen Bronchitiden und Raucherkatarrh sowie bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises angewandt.
Das Sensibilisierungspotential von Spiköl ist als sehr gering einzuschätzen.
In der modernen Aromatherapie wird die psychische Wirkung des Spiköls folgendermaßen beschrieben: belebend, ausgleichend, konzentrationsfördernd.
Die körperliche beruht auf folgenden Eigenschaften:
stark antibakteriell, krampflösend, antiviral, schmerzlindernd, antimykotisch, herz- und kreislaufanregend, schleimverflüssigend u. –lösend, hautstoffwechselanregend, auswurffördernd, hautregenerierend
Als Anwendungsbereiche für einen separaten bzw. komplementären Einsatz werden angeführt:
Schnupfen, Akne, Bronchitis (viral u. bakteriell), Verbrennungen, Lungenentzündung, Bestrahlungsprophylaxe, Angina, Pilzerkrankungen (Candida albicans), Herz- Kreislaufschwäche, Gelenkschmerzen, Niedriger Blutdruck, Konzentrationsschwäche, Hautpflege, Erschöpfung
Teil 2
Lavandula hybrida (Lavandin)
Lavandula latifolia (Spiklavendel)
Lavandula stoechas (Schopflavendel)
Lavandula dentata (Zahnlavendel)
Bildübersicht über die verschiedenen Lavendelarten
Die Jury des NHV Theophrastus hat für den Verein den ECHTEN LAVENDEL zur HEILPFLANZE DES JAHRES 2008 gekürt.
Verfasser: Prof.(em.) Dr. rer. nat. habil. Hans-Joachim Walther, Freital, 2007
Heilkundlich genutzte Lavendelarten
Botanische Merkmale
Historische heilkundliche Anwendung
Inhaltsstoffe und ihre Wirkung:
Lavendelöl (Lavandulae aetheroleum)
Lavandinöl (Lavandulae hybridae aetheroleum)
Spiköl (Spicae aetheroleum)
Schopflavendelöl
weiter zu Teil 2
Download des gesamten Artikels
Lavendel ist eine häufig in der Heilkunde und Parfümerie geschätzte Pflanzengattung. Dies gilt vor allem für den Echten Lavendel (Lavandula angustifolia).
Allerdings wurde von den Heilkundigen des klassischen Altertums der Echte Lavendel offenbar nicht verwendet, sondern nur eine verwandte Art. Stark duftende Lavendelzweige dieser oder einer ähnlichen Art verbrannten in der Antike die Perser, Griechen und Römer, um „schlechte Dünste“ in Krankenzimmern zu mindern oder den Ausbruch einer Epidemie zu verhindern.
Über die Ableitung des Namens Lavendel gibt es es verschiedene Anschauungen. Am meisten verbreitet ist die Ansicht, dass sich das Wort vom Lateinischen lavare (= waschen) ableitet, da man Lavendel schon bei den Römern gern dem Wasch- und Badewasser zusetzte.
Heilkundlich genutzte Lavendelarten
Von den 26 zur Gattung Lavandula gehörenden Arten sind die folgenden drogenliefernde bzw. therapeutisch wirksame Pflanzen:
Lavandula angustifolia: Synonyme und sonstige Bezeichnungen: Lavandula officinalis, Lavandula vera, Lavandula spica var. angustifolia; Echter Lavendel, Lavander, Kleiner Speik.
Lavandula hybrida: Synonyme und sonstige Bezeichnungen: Lavandula burnati, Lavandula ferandi, Lavandula guilloni, Lavandula hortenis, Lavandula intermedia; Lavandin.
Lavandula hybrida ist eine natürliche Kreuzung aus Lavandula angustifolia und Lavandula latifolia.
Lavandula latifolia: Synonyme und sonstige Bezeichnungen: Lavandula argentina, Lavandula spica, Lavandula spica var. latifolia, Lavandula vulgaris; Narde, Großer Speik, Spikenarde, Spiklavendel/Speiklavendel, Spikpflanze.
Lavandula stoechas: Synonyme und sonstige Bezeichnungen: Lavandula cadevallii, Lavandula cariensis u.a.; Schopflavendel, Welscher Lavendel
Lavandula dentata: Synonyme und sonstige Bezeichnungen: Zahnlavendel, Grüner Zahnlavendel, Lavandula dentata var.candidans (Silbriger Zahnlavendel).
Botanische Merkmale
Der Echte Lavendel gehört wie alle Lavendelarten zu den Lippenblütlern (Lamiaceae, Labiatae). Er ist ein stark duftender Halbstrauch mit einer Höhe bis etwa 60 cm und trägt schmale lanzettähnliche sowie filzig behaarte Blätter, die am Rand mehr oder weniger eingerollt sind. Die Blütezeit erstreckt sich von Juli bis August. Die hellblaue bis violette Blütenkrone ist etwa 1 cm lang und behaart. Der blaugraue Kelch der ungestielten Lavendelblüte ist zu einer Röhre verwachsen.
Die Frucht des Echten Lavendels besteht aus fetthaltigen glänzendbraunen Nüsschen. Das überaus angenehm duftende etherische Öl ist vor allem in den Blüten, aber auch in den Blättern enthalten. Weitere Inhaltsstoffe der Pflanze sind Gerbstoffe, Flavonoide, Phytosterole und Cumarine. Bezüglich der Bodenbeschaffenheit ist der Echte Lavendel anspruchslos und bevorzugt trockene, leichte und kalkhaltige Böden mit genügender Untergrundfeuchtigkeit.
Lavandula angustifolia stammt ursprünglich aus dem westlichen Mittelmeergebiet und kommt wildwachsend, halbkultiviert und kultiviert vor. Berühmt sind die kultivierten Lavendelfelder der Provence in Frankreich, bekannt aber auch die in Spanien und Südosteuropa. Ferner existieren Anbaugebiete in Russland.
Der Halbstrauch Lavandin erreicht eine Höhe von maximal 60 cm und trägt dunkelblau-violette Blüten. Sein etherisches Öl findet sich in den Blüten und Blättern. Der Anbau erfolgt in Südfrankreich, Großbritannien, Rumänien, im ehemaligen Jugoslawien, in Argentinien und auf der Krim.
Lavandula latifolia (Lavandula spica) ist ein Halbstrauch mit einer maximalen Höhe von 1 m. Die Blütenkrone besitzt eine blauviolette Färbung. Etherisches Öl findet sich in den oberirdischen Pflanzenteilen.
Lavandula latifolia ist verbreitet an der Mittelmeerküste in Frankreich und Italien, ferner im ehemaligen Jugoslawien, in Spanien und Portugal. Anbaugebiete befinden sich in Dalmatien und Spanien.
Der Halbstrauch Lavandula stoechas weist eine Höhe von 20-40 cm auf und entwickelt eine purpurrote Blütenkrone. Die oberirdischen Pflanzenteile enthalten 1-1,5% etherisches Öl.
Die Pflanze ist verbreitet im Mittelmeergebiet vom Nordosten Spaniens bis Griechenland und in Portugal. Anbaugebiete liegen im westlichen Indien.
Lavandula dentata erreicht eine Buschhöhe von etwa 1 m und trägt Blüten, die dunkelpurpur gefärbt sind. In den oberirdischen Teilen findet sich etherisches Öl. Die Pflanze ist in Süd-und Ostspanien sowie auf den Balearen verbreitet.
Historische heilkundliche Anwendung
Die Entdeckung der Heilkräfte von Lavendel scheint ein Verdienst der Klostermedizin gewesen zu sein. Die Äbtissin des Benediktinerklosters Rupertsberg bei Bingen, Hildegard von Bingen, erwähnt in ihrer Schrift „Physica“ unter dem Namen „Lavandula“ auch den Echten Lavendel, rät allerdings von seiner innerlichen Anwendung ab. Dagegen empfiehlt sie u. a. den „Wilden (Speik)lavendel“ als Abkochung mit Wein oder einer Wasser-Honig-mischung bei Leber- und Lungenschmerzen sowie die Anwendung von Lavendelblüten zur Bereitung eines Bades für die Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens.
In seinem Werk „Macer floribus“ behandelt der französische Mönch, Arzt und Schriftsteller Magdunensis (11. Jahrhundert) mehrere Arten des Lavendels. Zu seiner Wirkung heißt es:
„Er kräftigt die Leber, mäßigt den Magenschmerz und reinigt die Nieren durch den Harn.
Beißenden und stechenden Schmerz in den Eingeweiden behebt er. Und trinkt man ihn, so pflegt er die Windblähung .... hinauszutreiben. Auch einen starken Fluss aus der Gebärmutter dämmt sie, mit einem Wollzäpfchen von unten eingeführt. Mit kaltem Wasser gereicht, soll sie das Herzzittern beruhigen, ferner hemmt sie den Brechreiz.“
Im späten Mittelalter wird im „Gart der Gesundheit“ – ein von Johann Wonnecke von Kaul verfasstes Kräuterbuch – beschrieben, dass der Lavendel von der Gottesmutter Maria besonders geschätzt wurde, weil er zu einem keuschen Leben führe. Im Gart der Gesundheit wird ferner darauf hingewiesen, dass Lavendel auch gegen den Schlaganfall wirkt.
Interessant ist weiterhin, dass der berühmte Arzt und Chemiker Theophrastus Bombastus von Hohenheim (1493-1541) in seinen Räucher- und Duftrezepturen für die Krankenbehandlung u.a. Lavendel benutzte.
Ende des 16. Jahrhunderts machen die Kräuterbücher von Adam Lonitzer (Adamus Lonitzerus) und John Gerald (London) vielfältige Angaben über die Heilwirkungen von Lavendel (Spiklavendel, Lavandula latifolia), beispielsweise bei „Migräne“ sowie Atem-losigkeit und Überanstrengung des Herzens.
Im letztgenannten Jahrhundert berichtete auch ein provencialischer Historiker von Bauern seiner Heimat, die Lavendel destillierten und das gewonnene Produkt zu Behandlung von Wunden und als Wurmmittel benutzten.
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts verbrannte man in der französischen Provinz in der Zeit von zwei großen Pestepidemien erhebliche Mengen Lavendel und andere aromatische Pflanzen in Häusern und auf Straßen, um mit dem duftenden Rauch die tödliche Krankheit einzudämmen.
Die hier beschriebenen historischen Anwendungen der verschiedenen Lavendelarten zeigen die hohe Wertschätzung dieser Pflanzengattung über die Jahrhunderte. Diese Heilanzeigen sind jedoch zum Teil aus heutiger therapeutischer Sicht nicht mehr aktuell oder haben sich verändert und weiterentwickelt.
Inhaltsstoffe und ihre Wirkung
Bedeutendster Wirkstoff von Lavendelpflanzen ist ihr etherisches Öl. Auch in dem Fall, dass das etherische Öl nicht in isolierter Form genutzt wird, sondern Pflanzenteile wie Blüten und Blütenstände verwendet werden, ist der herausragende Wirkstoff das etherische Öl.
Lavendelöl (Lavandulae aetheroleum)
Synonyme: Aetheroleum Lavandulae, Lavandulae oleum, Oleum Lavandulae.
Dieses Öl wird aus den frischen Blütenständen des Echten Lavendels (Lavandula angustifolia) durch Wasserdampfdestillation gewonnen. 120 kg Rispen ergeben etwa 1 kg etherisches Öl. Dieses ist eine klare, farblose bis schwach gelbliche, leicht bewegliche Flüssigkeit von charakteristischem Geruch und aromatischem, brennendem und schwach bitterem Geschmack.
Einzelbestandteile
(-)-Linalylacetat 30-40%
(-)-Linalool 20-35%
cis-Ocime 5-9%
trans-Ocime 3-4%
Lavandulylacetat 3-4%
1,8-Cineol unter 1%
Terpinen-4-ol 3-5%
Weitere Einzelbestandteile in sehr geringen Konzentrationen
Die Güte des Lavendelöls wird nach seinem Estergehalt und damit vor allem nach dem Linalylacetat-Gehalt bewertet. Das sogenannte „Lavendelöl extra“ gilt als beste Qualität.
Linalylacetat und Linalool besitzen ein gutes Hautpenetrationsvermögen. Wie Unter-suchungen zeigten, können die beiden Ölbestandteile auch bei ihrer Inhalation in das Körperinnere gelangen, wo sie im Blut und nach Überwinden der Blut-Hirn-Schranke auch im Gehirn analytisch nachweisbar sind.
Wirkung
Die antimikrobielle Wirkung ist besonders auf den Gehalt an Linalool zurückzuführen und konnte anhand zahlreicher Testmikroorganismen nachgewiesen werden.
Weitere Untersuchungen zeigten, dass das Lavendelöl nach oraler Aufnahme bzw. Inhalation durch folgende Eigenschaften gekennzeichnet werden kann: entkrampfend, neurodepressiv und motorikmindend.
Sowohl die genannten experimentellen Laboruntersuchungen als auch die klinischen Untersuchungen am Menschen beweisen die beruhigende und entspannende Wirkung des Lavendelöls bzw. der Lavendelblüten. Die Ergebnisse bestätigen auch die Aussagen der Erfahrungsheilkunde, d.h. der traditionellen Volksmedizin. Aufgrund der Befunde der Labor- und klinischen Untersuchungen hat die zuständige Bewertungskommission der BRD (Kommission E) in einer Monographie „Lavendelblüten, Lavandulae flos“ (veröffentlicht im Bundesanzeiger 1984/1990) die Wirkung der inneren Anwendung des Lavendelöls für das Indikationsgebiet „Befindensstörungen wie Unruhezustände, Einschlafstörungen, funktionelle Oberbauchbeschwerden“ anerkannt. Gleichzeitig wird die Anwendung von Lavendelblüten in der Balneotherapie zur Behandlung funktioneller Kreislaufstörungen empfohlen.
Lavendelöl wirkt nur in seltenen Fällen allergieauslösend oder phototoxisch.
Eine besondere Bedeutung kommt Lavendelöl – insbesondere dem von Lavandula angustifolia – in der heutigen Aromatherapie zu. In dieser wird die psychische Wirkung des etherischen Öls vom Echten Lavendel wie folgt beschrieben: ausgleichend, beruhigend, aufbauend, angstlösend und antidepressiv, bei Erschöpfung anregend und erfrischend.
Die körperliche Wirkung dieses Öls wird mit den nachstehenden Eigenschaften charakterisiert:
antibakteriell, entzündungshemmend, antiviral, schmerzlindernd, antiseptisch (desinfizierend), krampflösend, antimykotisch, durchblutungsfördernd, fiebersenkend, blutdruckregulierend, stark immunstimulierend, schlaffördernd, zellregenerierend, insektenabweisend, wundheilend
Als bewährte Anwendungsbereiche in der Aromatherapie werden für den alleinigen oder unterstützenden Einsatz angeführt:
Vorbeugung und Behandlung von Erkältungskrankheiten, Narbenpflege, Prophylaxe von Wundliegen (Dekubitus), Bronchitis, Bestrahlungsprophylaxe u. –nachsorge, Ohrenschmerzen, künstlicher Darmausgang (Stomapflege), Mittelohrentzündung, Gürtelrose, Fieber, Windpocken, Keuchhusten, Pilzerkrankungen (Candida albicans), Kopfschmerzen, Muskelverspannungen, Nervenentzündungen, Krampfanfälle, erhöhter Blutdruck, Gicht, Durchblutungsstörungen, Gelenkentzündungen, Krampfadern, Menstruationsbeschwerden, Unterschenkelgeschwür (Ulcus cruris), klimakterisches Syndrom, Hämorrhoiden, Blasenentzündung, Lymphstau nach Brustoperation, Wasseransammlung in den Beinen, Mundpflege, Schwangerschaftsstreifen, Bauchkrämpfe, Geburtsvorbereitung und Geburt, nervöse Magenschmerzen, Wochenfluss, Hautjucken, Brustdrüsenentzündungen, Insektenabwehr, nervös bedingte Muskelverspannungen, Fußschweiß, Schlafstörungen (auch bei Kindern), Verletzungen, Pubertätskrisen, Akne, depressive Verstimmungen, Wunden, Ängste, Verbrennungen (Sonnenbrand)
Betrachtet man die große Anzahl der angeführten Wirkungen (15) und Indikationen (48), die die Vertreter der Aromatherapie dem Lavendelöl zuschreiben, ergibt sich, dass sie dieses Öl oft als besonders bedeutsames Therapiemittel ansehen. Einige renommierte Vertreter der modernen Aromatherapie beschreiben die Wirkung des etherischen Öls mit folgenden Worten: „Das etherische Lavendelöl ist das wichtigste und beliebteste Öl in der Aromatherapie und –pflege. Wegen seiner umfangreichen Wirkweise gilt es als ein Öl, das alles und alle zu heilen und zu pflegen imstande ist.“/1/ Andere erfahrene Anwender der Aromatherapie betrachten diese Wertung kritisch und schätzen sie als überhöht ein.
Zur Diagnostik und Therapie der benannten Anwendungen wird die Konsultation eines kompetenten Therapeuten des Vertrauens empfohlen. Etherische Öle sind bei leichteren Erkrankungen separat einsetzbar, vielfach jedoch werden sie auch unterstützend als komplementäre Therapie genutzt.
Lavandinöl (Lavandulae hybridae aetheroleum)
Synonyme: Aetheroleum lavandulae hybridae, Oleum lavandulae hybridae.
Lavandin(öl) ist das mittels Wasserdampfdestillation gewonnene etherische Öl der Blütenstände von Lavandula hybrida (Lavandin). Die Blütenständen verbleiben nach Bündelung einige Tage auf den Feldern, bevor sie der Wasserdampfdestillation unterworfen werden. Die Ölausbeute beträgt 3-6%. Die Handelssorte „Grosso“ (seit 1975) stellt heute 60-70% der Erzeugung dieses Öls sicher, das einen Estergehalt von 40/42% besitzt.
Lavandin-„Grosso“-Öl ist eine dünnflüssige, klare hellgelbe Flüssigkeit mit charakeristischem, lavendelartigem, leicht campherartigem Geruch. Eine Ware mit einem Estergehalt von 50/52% wird unter der Bezeichnung Lavandinöl Super gehandelt.
Einzelbestandteile
(-)-Linalylacetat 30-50% und darüber
(-)- Linalool 25-50%
Campher 5-10%
1,8-Cineol 3-8%
Cariophyllen 2-4%
Terpinen-4-ol 2-4%
α-Terpineol 2-4%
Lavandulylacetat 1-3%
cis- und trans-β-Ocimen 1-2%
Lavandulol 1-1,5%
Borneol 1-1,5%
Limonen 0,5-1%
α- und β-Pinen 0,5-1%
in geringen Mengen finden sich weitere Stoffe
Wirkung
An zahlreichen Testmikroorganismen konnte eine antimikrobielle Wirkung des Lavandinöls nachgewiesen werden. Allergieauslösende Eigenschaften und ein Sensibilisierungspotential ließen sich nicht ermitteln.
In der Fachliteratur zur Aromatherapie wird die psychische Wirkung von Lavandinöl wie folgt charakterisiert: vitalisierend, ausgleichend, beruhigend.
Die körperliche Wirkung basiert auf den nachstehend angeführten Eigenschaften:
antibakteriell, immunstimulierend, antiviral, vitalisierend, entzündungshemmend, leicht kreislaufregulierend, zellregenererierend, muskelentspannend, (aber auch tonisierend), wundheilend, aggregationshemmend auf Blutplättchen
Die Literatur zur Aromatherapie nennt folgende bewährte Anwendungsbereiche für einen separaten bzw. komplementären Einsatz:
Erkältungskrankheiten, Insektenabwehr, Kreislaufschwäche, Bestrahlungsprophylaxe, Unterschenkelgeschwür(Ulcus cruris), Prophylaxe bei Wundliegen (Dekubitus), künstlicher Darmausgang (Stomapflege), Hämorrhoiden, Muskelverspannungen, Verletzungen und Wunden, Nervositä, Verbrennungen, Hautpflege
Spiköl (Spicae aetheroleum)
Synonyme: Aetheroleum spicae, Oleum Spicae.
Aus der Stammpflanze Lavandula latifolia isoliert man das Spiköl (Speiköl, Spikeöl) durch Wasserdampfdestillation. Dafür finden die blühenden, sonnengetrockneten Zweigsprossen Verwendung, die meistens von Wildbeständen stammen. Die Ausbeute liegt bei 0,5-1%. Das farblose gelbliche oder grünlich-gelbe Öl hat einen rauen, campherartigen Geruch.
Einzelbestandteile
Linalool 30-50%
1,8-Cineol 20-35%
Campher 1-25%
Außerdem im Spiköl gefundene Inhaltsstoffe sind u.a. Borneol (bis 30%), Geraniol, Linalylacetat (bis 15%), Cumarin und Ameisensäure.
Im Vergleich zum etherischen Öl des Echten Lavendels und dem Lavandinöl enthält Spiköl größere Mengen 1,8-Cineol, aber relativ wenig Linalylacetat.
Neuere Forschungsergebnisse zeigten, dass inhaliertes 1,8-Cineol nicht nur die Sinneszellen reizt, sondern auch in die Blutbahn gelangt, die Blut-Hirn-Schranke überwindet und schließlich an Rezeptoren des Hirns gebunden wird. Auf diese Weise kommt es zu einer Steigerung der motorischen Aktivität des Nervensystems.
Wirkung
Antimikrobielle Eigenschaften des Spiköls konnten anhand mehrerer Testorganismen ermittelt werden.
Eine antihämolytische Wirkung ließ sich u.a. dadurch nachweisen, dass die Hämolyse von α-Hämolysin stark gehemmt wird.
Wie weitere Versuche im Labormaßstab zeigten, kann durch Spiköl im tierischen Organismus die Wirkung des Streptokokkentoxins vermindert werden.
Untersuchungen an gesunden und an Lungentuberkulose erkrankten Menschen ergaben, dass Spiköl (oral verabreicht in magensaftresistenten Kapseln) eine Steigerung des Phagozytosevermögens der Leukozyten bewirkt.
Eine expektorierende Wirkung des Spiköl konnte sowohl beim Menschen als auch beim Tier (Kaninchen) nachgewiesen werden.
In der Erfahrungsheilkunde der vergangenen Jahrzehnte wurde in Olivenöl gelöstes Spiköl oral bei akuten und chronischen Bronchitiden und Raucherkatarrh sowie bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises angewandt.
Das Sensibilisierungspotential von Spiköl ist als sehr gering einzuschätzen.
In der modernen Aromatherapie wird die psychische Wirkung des Spiköls folgendermaßen beschrieben: belebend, ausgleichend, konzentrationsfördernd.
Die körperliche beruht auf folgenden Eigenschaften:
stark antibakteriell, krampflösend, antiviral, schmerzlindernd, antimykotisch, herz- und kreislaufanregend, schleimverflüssigend u. –lösend, hautstoffwechselanregend, auswurffördernd, hautregenerierend
Als Anwendungsbereiche für einen separaten bzw. komplementären Einsatz werden angeführt:
Schnupfen, Akne, Bronchitis (viral u. bakteriell), Verbrennungen, Lungenentzündung, Bestrahlungsprophylaxe, Angina, Pilzerkrankungen (Candida albicans), Herz- Kreislaufschwäche, Gelenkschmerzen, Niedriger Blutdruck, Konzentrationsschwäche, Hautpflege, Erschöpfung
Teil 2