Damaszener-Rosen blühen meist in Rosa oder Weiß, selten in Rosarot. In der Symbolik der Farben verkörpert „Weiß“ die Farbe des Lichtes, der Erleuchtung, Verklärung, Auferstehung und der Vollkommenheit. Sie ist ein Attribut der Reinheit und Jungfräulichkeit Mariens, der Gottesmutter. „Rosa“ dagegen symbolisiert die Farbe der Zärtlichkeit, der Empfindsamkeit, Sanftheit und Bescheidenheit. Sie stellt die Farbe des jungen Lebens dar.
 
 
 
 
 
Basiswissen „Rose“ (Rosa damascena)
Das Geheimnis der Rose – Eine Betrachtung der Rosengewächse aus heilkundlicher Sicht
„Es ist ein Ros entsprungen“ – Zur Signatur und Symbolik
„Nur eine Rose als Stütze“ /2/Die Heilkräfte der Rose
„… des Sommers letzte Rose …“ /5/Die Rose in Geburts- und Sterbebegleitung
Steckbrief
 
 
 
 

Basiswissen „Rose“ (Rosa damascena)

 
Familie:
Rosengewächse (Rosaceae)
es gibt mehr als 2000 Arten
darunter krautige Pflanzen (z.B. Erd- und Himbeere, Frauenmantel, Fingerkraut)
oder Holzgewächse (z.B. Apfel, Pfirsich, Schlehe, Weißdorn)
 
Einteilung:
Wildrosen (= Heckenrosen):
wild wachsend,
40 verschiedene Arten in Europa
bekannteste: Hundsrose (Rosa canina)
fünf Blüten- sowie fünf Kelchblätter
duften häufig nur leicht
Veredlungsgrundlage für Kulturrosen
Gartenrosen (= Kultur- oder Duftrosen):
kultiviert und gezüchtet
Stammarten europäischer Sorten: Teerose, Chinarose, Damaszener-Rose, Zentifolie, Gallicarose (Essigrose)
durch Kreuzung und Auslese heute über 30.000 Rosensorten
 
Merkmale der Rosen:
krautige Pflanzen
später verholzende Triebe mit wechselständigen, einfachen oder geteilten Blättern
Triebe mit Stacheln (= Auswüchse der Epidermis, leicht abbrechbar), keine Dornen (= umgewandelte Sprossen, mit Trieb fest verbunden, vgl. Schlehe)
meist fünfzählige Blüten in den Farben Rosa, Rot, Gelb und Weiß
Rosenblüten sind Zwitter: Staubblätter mit Pollen (männl.) und Stempel (weibl.), viele gefüllt blühende Kulturrosen sind steril, also keine Hagebutten
bei gefüllten Blüten Umwandlung der Staub- zu Blütenblättern
Hauptmerkmal der Rose ist der Duft
 
Rosenölgewinnung:
zur Gewinnung von 1 Liter ätherischem Rosenöl braucht man 3 bis 5 Tonnen Blütenblätter (entspricht einem Hektar Anbaufläche).
Gewinnung: durch Wasserdampfdestillation (Rosen Attar) oder durch Lösungsmittelextraktion (Rosen Absolue),
Rosenwasser = duftende Ausschüttelung aus vier Tropfen Öl in 1 Liter destilliertem Wasser
 
Früchte:
Scheinfrucht entsteht aus befruchtetem Stempel, enthält die Samen (Früchte), je nach Größe und Sorte 10 bis 150 Stück
hoher Vitamin-C-Gehalt der Hagebutte, gleichzeitig auch Vitamin K, P und Provitamin A sowie Kalzium, Kalium, Natrium, Magnesium, Eisen und Phosphat enthalten
Hagebuttentee: zur Durchwärmung und zur Steigerung des Immunsystems, zur milden Entwässerung bei Blasen- und Nierenentzündung
 
Anbau:
auf sandig-lehmigem Boden mit ausreichendem Humusanteil
sonniger Standort, am besten in Westlagen wegen des Morgentaus
 
Ernte:
der Blütenblätter erfolgt in den Morgenstunden, weil da der Ölgehalt am höchsten ist.
 
 
Das Geheimnis der Rose – Eine Betrachtung der Rosengewächse aus heilkundlicher Sicht
 
„Die verschiedenen Pflanzen hatten seit je im symbolischen Erleben der Menschen einen verschiedenen Rang. Die Pflanze, die alle anderen überragt und die Menschen am tiefsten berührt hat, ist die Rose. Das ist der Grund, weshalb sie schon vor Jahrtausenden im Orient kultiviert wurde. … Man sah in der Rose das Bild jener Seelenkraft, die der größten Vertiefung fähig ist und die Seele des Menschen in die Bereiche des Göttlichen weiten kann. Diese Kraft ist die Liebe.“ (Ernst-Michael Kranich) /1/
 
 
„Es ist ein Ros entsprungen“ – Zur Signatur und Symbolik
 
In zahlreichen Gedichten, Liedern und Märchen wird die Rose besungen. Dabei steht meist die Spannung zwischen zarter, duftiger Blüte und verholztem Trieb mit wehrhaften Stacheln im Vordergrund. Dies ist ein Gleichnis für die Freude und das Leid der Liebe. Aber auch das Leben des Menschen im Spannungsfeld Erde (verholzter Trieb) und Himmel (Blüte) stellt sie dar. In der christlichen Symbolik stehen Rosenknospe und Dornenkrone für Christus als wahrer Mensch und Gott.
Die Rose ist ein dauerhafter Strauch, ihre raumgreifenden Triebe bilden sich aufgrund der Verholzung nicht im Herbst zurück. Die Stacheln stellen noch eine Steigerung der Erdbindung dar. Jedoch können sie leicht abgebrochen werden, was auf die Fähigkeit des Loslassens hindeutet. Aus den verholzenden Trieben wachsen im Folgejahr neue Triebe. An diesen bilden sich die Blütenstände und recken sich der Sonne entgegen. Wenn die Sonne im Mai und Juni am höchsten steht, geht auch der Rosenstrauch in der Fülle des Blühens auf. Das Aufblühen der einfachen fünfblättrigen, zart rosafarbenen Heckenrosenblüte verdeutlicht die Hingabe, mit der sich die Rose ihrer Umwelt schenkt. Bei der gefüllten Rose mutierten die Staubgefäße zu Blütenblättern. Oft sind auch noch Übergangsformen sichtbar. Öffnet sich eine gefüllte Rosenknospe, so zeigt sich eine unerschöpfliche Fülle und Kraft, deren Zentrum nicht mehr stofflich wahrnehmbar ist. Manche Rosensorten blühen sogar noch in Reif und Schnee, und künden damit von der Kraft der alles überwindenden Liebe und dem Mut, das Unmögliche zu wagen.
Das ätherische Rosenöl als Träger des Duftes lässt in unserer Seele die Sehnsucht nach Vereinigung oder Ganzheit, nach innerem Frieden aufkeimen. Überraschenderweise reift reines ätherisches Rosenöl wie guter Wein weiter und bildet blumig-fruchtig-süß duftende Verbindungen. Bei richtiger Lagerung gewinnt der Duft im Laufe der Zeit an Tiefe und Schwere.
Eine getrocknete Rose verblüht eigentlich nie. Sie ist für lange Jahre Stütze unserer melancholischen Erinnerung, aber auch Grund zur leisen Freude.
Die Fruchtbildung ist unter der Blüte in den Stängel versenkt, der wie ein Krug ausgehöhlt ist. In ihm reift die Hagebutte, die Frucht aus Früchten.
 
Rosen berühren die Menschen in ihrer Seele. Sie ist tief mit dem Thema „Weiblichkeit“ verbunden und war in früheren Zeiten mit den Göttinnen Ischtar, Isis und Aphrodite/Venus verknüpft. In Germanien war die Heckenrose der Göttin Freya geweiht, die neben Holda oder Holle auch „Mutter Rose“ genannt wurde. Die Germanen verstanden die fünfblättrige Rose als ein Symbol für die Unsterblichkeit der Seele. So hießen auch durch Schwerter geschlagene Wunden „Rose“. Und selbst wenn ein Krieger durch einen Schwertschlag im Kampf starb, so hatte er „eine Rose bekommen“. Ganze Schlachtfelder einschließlich der dort begrabenen oder verbrannten Kämpfer wurden „Rosengarten“ genannt. Diese Bezeichnungen finden sich in den heutigen viral bedingten Krankheitsbildern der Wund- bzw. Gürtelrose wieder, wenn sich der Sinn auch wandelte.
Die Duftrosen und die Kunst der Veredlung kamen erst mit den römischen Legionen über die Alpen in den rauen Norden. Später wurden sie in den Klostergärten als Heilpflanzen gezogen. So war das Aufpfropfen der Edelreiser auf Heckenrosentriebe ein Sinnbild für die eigentliche Lebensaufgabe der Mönche und Nonnen, die Veredlung der Seele. Für den Schweizer Psychiater C. G. Jung stellt die Rosenblüte ein Symbol der Ganzheit und ein Mandala der Weltordnung dar.
Der Reformator Martin Luther wählte als Wappen eine weiße Rose auf himmelblauem Grund, in deren Zentrum ein rötliches Herz mit schwarzem Kreuz steht. Die Rose soll dabei anzeigen, dass der Glaube Freude, Trost und Friede gibt. Die Farbe Weiß ist nach Luther die Farbe der Geister und aller Engel.
Damaszener-Rosen blühen meist in Rosa oder Weiß, selten in Rosarot. In der Symbolik der Farben verkörpert „Weiß“ die Farbe des Lichtes, der Erleuchtung, Verklärung, Auferstehung und der Vollkommenheit. Sie ist ein Attribut der Reinheit und Jungfräulichkeit Mariens, der Gottesmutter. „Rosa“ dagegen symbolisiert die Farbe der Zärtlichkeit, der Empfindsamkeit, Sanftheit und Bescheidenheit. Sie stellt die Farbe des jungen Lebens dar.
 
 
„Nur eine Rose als Stütze“ /2/ – Die Heilkräfte der Rose
 
Die gegenwärtige Bedeutung der Rose in der Pflanzenheilkunde ist gering. Kaum ein Therapeut wird sie wie im Mittelalter wegen des Gerbstoffgehaltes ihrer Blütenblätter verordnen. Trotzdem sind bei Rosenblütenblättern wie mehr oder weniger bei allen Rosengewächsen, blutstillende Eigenschaften zu verzeichnen. Doch dies spielt bei der Rose nur eine Nebenrolle. Ihre eigentliche Heilkraft liegt im blumigen, erhellenden, frohen Duft. Dieser macht sie zu einem ausgezeichneten Nerven- und Herztonikum. Ob nun die Rosenblütenblätter früh im Morgentau aus dem eigenen Garten gepflückt werden, ob Rosenwasser oder reines ätherisches Rosenöl verwendet werden, oder ob auf ein Fertigpräparat zurückgegriffen wird, ist im Grunde egal. Wichtig ist, dass reines ätherisches Öl benutzt wird, da wegen des hohen Preises für Rosenöl häufig künstliche Aromen oder auch ätherische Öle anderer Pflanzen in Kosmetika oder Gesundheitspflegemitteln Verwendung finden oder beigemischt werden.
 
Rosenwasser zum Einsprühen oder Rosensalben zum Einreiben auf Stirn, Nacken und Pulsstellen eignen sich für Erschöpfungszustände, Schlaflosigkeit, depressive Verstimmungen oder zur Konzentrationsförderung.
Ein Taschentuch mit Rosenwasser befeuchtet auf die Herzregion gelegt, beruhigt das Herzklopfen und mindert die Angst. In Verbindung mit Jasmin- oder Veilchenöl führt das Einreiben der Herzgegend zur Kräftigung des Herzmuskels. Das Einreiben des Brustkorbes stärkt die Atemmuskulatur.
Nach dem Schweizer Kräuterpfarrer Johann Künzle „besitzen Rosen große Kraft gegen alle Arten von Fieber, stillen die innere Hitze, führen viel Urin ab und brechen dadurch die Gewalt der Fieber.“ /3/
Weiterhin besitzen Rosenpräparate entspannende und schmerzstillende Wirkungen sowohl auf die Psyche als auch auf die Muskulatur. So liegen gute Erfahrungen bei der äußerlichen Anwendung bei Ohrenschmerzen, Spannungskopfschmerz und Neuralgien vor. Rosenöl hat einen sanft durchwärmenden Charakter, ist reizmildernd, beruhigend und entzündungshemmend. Spagyrisch zubereitete Rosenblütenblätter stärken die Hautfunktionen und machen sie widerstandsfähiger. Ein positiver Einfluss bei Akne, Schuppen und auf die Wundheilung rissiger Haut ist zu beobachten.
In Komplexpräparaten oder Teemischungen dienen Rosenöl oder -blütenblätter wegen ihrer harmonisierenden Eigenschaften zur Abrundung und zum Ausgleich verschiedener Wirkspektren. Generell hat die Rose einen Bezug zum Auge. Rosenblütentee-Auflagen oder -Waschungen, Massage der Augen-Akupressurpunkte mit Rosenöl oder frische Rosenblütenblätter auf die Augen gelegt, erfrischen die Augen, wirken entspannend und stärken die Sehkraft. Zum Erhalt der Sehkraft wird in einem alten Kräuterbuch empfohlen, „mit den ersten drei Rosenknospen, die man im Frühling sieht, wische man sich die Augen ohne die Knospen abzubrechen.“ /4/ Die Rose erscheint als ein Mittel, welches in der Lage ist, den Vorhang zwischen den Welten ein wenig anzuheben.
 
In der folgenden Tabelle sind unterschiedliche Präparate verschiedener Firmen aufgeführt, um einen Überblick über Indikations- und Kombinationsmöglichkeiten zu erhalten.
 
Symptom
Name
Firma
Wirkstoffe
Anwendung
Erschöpfung, Schlafstörungen,
Angst, Unruhe, depressive Verstimmungen
Solunat Nr. 17
Soluna
Rose, Johanniskraut, Gold, Weißdorn, Melisse, Herzgespann, Rosmarin, Wiesenknopf, Crocus
innerlich
Erfrischungsspray
Bombastus
Rose, Lavendel
äußerlich
Rosa e floribus 10% Oleum
Wala
Rosenöldispersionsbad
äußerlich
Tee aus gleichen Teilen
Verschiedene Tee-Hersteller
Rosenblütenblätter, Lavendelblüten, Melissenblätter
innerlich
Rosa damascena C 30
z.B. DHU, Remedia
Homöopathische Rosenzubereitung
innerlich
Augenentzündung,
-Jucken, -Brennen, Sehschwäche
Rosa damascena C 30
z.B. DHU, Remedia
Homöopathische Rosenzubereitung
innerlich
Euphrasia-Augentropfen
Wala
Rose, Augentrost
äußerlich
Funktionelle Herzbeschwerden
Aurum/Lavandula comp. Creme
Weleda
Rose, Gold, Lavendel
äußerlich
Junission-Essenz
Bombastus
Rose, Olive
äußerlich
Solunat Nr. 5
Soluna
Rose, Gold, Weißdorn, Johanniskraut, Melisse, Herzgespann, Rosmarin, Wiesenknopf
innerlich
Spagyrik Rosa damascena
Heidak
Spagyrisches Rosenöl
innerlich
Dyhankan-Essenz
Bombastus
Rose, Jasmin, Veilchen, Patchouli, Vanille
äußerlich
Kräftigung und Entspannung der Muskulatur, Schmerzen
Roseneisen D3
Wala
Rosenblütenauszug in Gegenwart von Hämatit
innerlich
Chelidonium comp. Augentropfen
Wala
Rose, Schöllkraut, Weinraute, Lärchenharz
äußerlich
Hylosan-Creme
Bombastus
Rose, Patchouli, Jojobaöl, Sheabutter
äußerlich
Beschwerden der Wechseljahre
Spagyrik Rosa damascena
Heidak
Spagyrisches Rosenöl
innerlich
Trockene, schrundige Haut
Rosatum-Heilsalbe
Wala
Rosenöl, Geranienöl
äußerlich
Spagyrik Rosa damascena
Heidak
Spagyrisches Rosenöl
innerlich und äußerlich
Salbeiblüten-Salbe
Bombastus
Rose, Salbeiblüte, Vanille, Borsäure
äußerlich
 
Auch in der Homöopathie führt die Rose ein Schattendasein. Im Sommer 1999 führte der homöopathische Arzt Artur Wölfel eine homöopathische Arzneimittelprüfung von Rosa damascena C30 durch und erweiterte damit das Arzneimittelbild beträchtlich. Wie erwartet, decken sich die meisten Symptome mit den phyto- und aromatherapeutischen Indikationen. Werden noch die Schlüsselsymptome der von Dr. Edward Bach geprüften Bachblüte „Wild Rose“ (Rosa canina) herangezogen, ergeben sich folgende Anwendungsmöglichkeiten:
 
Wirkgebiet
Symptom
Therapieformen
Psyche
Angst, Unruhe, Erschöpfung
Aromatherapie
Reizbarkeit, Ungeduld, Zorn
Homöopathie
Vergesslichkeit, schwierige Konzentration
Apathie, Teilnahmslosigkeit, Resignation
Bachblüten
Kopf
Kopfschmerzen
Aromatherapie
Migräne über den Augen,
Empfindliche Augen mit Jucken und Brennen
Homöopathie
HNO
Heuschnupfen mit Niesen und Jucken
Ohrenschmerzen, Ohrgeräusche
Homöopathie
Phytotherapie
Brust
Herzklopfen, Herzstechen, nervös bedingte Herzbeschwerden
Homöopathie
Phytotherapie
Trockener Husten, Asthma
Homöopathie
Urogenitaltrakt
Häufiges Wasserlassen
Homöopathie
Unregelmäßige Menses (zu häufig, zu lang …)
Homöopathie
Aromatherapie
Haut
Jucken, rote Flecken
Homöopathie
Aromatherapie
Hormone
Wechseljahrsbeschwerden,
Hitzewallungen, Nachtschweiße, Zerschlagenheitsschmerz
Homöopathie
Aromatherapie
Phytotherapie
 
Es wird deutlich, dass uns die Rose bei zahlreichen Beschwerden, die in der heutigen Zeit viele Menschen quälen, Linderung verschaffen kann. Wegen ihres Duftes spricht sie besonders Kinder und Frauen an. Wir sollten uns der Rose wieder mehr öffnen, damit ihre Kraft und Fröhlichkeit uns ansteckt. So stellen wir uns dann freudig und aktiv unseren Lebensaufgaben und können den Alltag als Geschenk und nicht nur als lästige Pflicht annehmen.
 
 
„… des Sommers letzte Rose …“ /5/ – Die Rose in Geburts- und Sterbebegleitung
 
Die Rose stabilisiert, die Rose harmonisiert, sie stärkt und öffnet, sie macht frohen Mut. Sie hilft, die Grenzen zu überschreiten, wie kaum eine andere Pflanze und besonders die Grenzen des Lebens. Vielleicht weil sie einer alten Legende nach aus Gnade direkt aus dem Paradies auf unsere Erde gebracht wurde und so den Himmel noch in sich trägt? Ihr zarter Duft richtet unruhige, verzagte, ängstliche Menschen auf und stärkt sie.
 
„Dass das ätherische Öl der Rose das ideale Öl für alle Lebenssituationen ist, die mit Weiblichkeit und Intimität in Verbindung zu bringen sind, habe ich bereits mehrfach erwähnt. … Weshalb soll dann nicht auch bei der Geburt eines Menschen, dem Ergebnis eines liebevollen Zusammenseins zweier Menschen, der Rosenduft ein Willkommensgruß für ein rosiges Neugeborenes sein? Das ätherische Öl der Rose wird es ermöglichen, dass die Geburtshelferinnen aus einem Geburtsmechanismus wieder ein menschliches Geburtsgeschehen werden lassen.“ (Ingeborg Stadelmann – Hebamme)/6/
 
Schon seit der Antike wird reines Rosenöl in der Geburtshilfe verwendet. In der Schwangerschaft unterstützt es besonders jene Frauen, die im Alltag unter dem Spannungsfeld Beruf und Familie leiden.
Die Bildung von Schwangerschaftsstreifen kann durch tägliches Einreiben des Bauches mit ein paar Tropfen Rosenöl in kaltgepresstem Mandel- oder Jojobaöl verhindert oder zumindest eingeschränkt werden. Harnwegsinfekte kann „frau“ mit warmen Sitzbädern lindern. Dafür wird Rosenöl auf Salz getropft und in warmem Wasser aufgelöst. Am bekanntesten ist der Einsatz des Rosenöls im Damm-Massageöl in Verbindung mit dem Öl des Muskatellersalbeis. Hier kommt die muskelentspannende und öffnende Wirkung der Rose voll zum Tragen.
 
Während des Geburtsvorganges kann die Rose bei Bedarf ebenfalls ihre Kraft entfalten und sowohl bei der werdenden Mutter als auch beim Kind zur Verringerung der Schmerzen beitragen. Gleichzeitig sorgt sie für Erfrischung und Entspannung nicht nur bei Mutter und Kind, sondern auch bei der Hebamme und dem werdenden Vater. Im Wochenbett ist der zarte Rosenduft neben Honig und Vanille einer der wenigen Düfte, die dem neugeborenen Erdenbürger zugemutet werden können. Und vielleicht wird Baby schon bald sanft in den Schlaf gewiegt mit „Guten Abend, gut` Nacht, mit Rosen bedacht …“?
 
So wie der Frühling mit seinen aufbrechenden Knospen ein Symbol für die Geburt und die Jugendzeit ist, so wird das Verblühen und Absterben der Blumen im Herbst und Winter mit dem Alter und der letzten Lebensphase verglichen. Verwelkte Rosenblätter sind ein Zeichen für Vergänglichkeit. So begegnet uns die Rose als Sargschmuck, in Traueranzeigen und auf dem Friedhof. Auch wenn Hermann Hesse die Rose nicht direkt erwähnt; es ist der Geist der Rose, der durch diese Zeilen weht:
 
„Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden …
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!“ (Hermann Hesse) /7/
 
Sterben ist ein Prozess, der in unserer Gesellschaft häufig ausgeklammert wird und meist in Alten- und Krankenhäusern stattfindet. Doch nicht nur der, der mit offenen Augen durch die Natur und die Welt geht, wird mit diesem Thema konfrontiert. Der Gedanke an unsere Endlichkeit fordert uns heraus. Der Tod berührt uns existenziell. Im Angesicht des Todes hinterfragen wir unser Leben und den Sinn unseres Hierseins. Unsere alltäglichen Probleme werden unwichtig. Es ist gut, wenn Trost und Vertrauen in unser Herz einziehen und Zuversicht die Seele erfüllt.
Die Begleitung eines Sterbenden ist eine große Herausforderung, aber auch ein Geschenk, wenn sich das Sterben in Ruhe und Geborgenheit vollzieht. Der Gedanke dieses Erlebens begleitet uns lebenslang und hat Auswirkungen auf unseren letzten Weg. Den letzten Weg einem Menschen zu erleichtern, ist eine zutiefst menschliche Aufgabe. Erleichterung, Hilfe und Unterstützung bietet dabei die Rose. Der jeweiligen Situation wird geschuldet sein, ob nun Rosenwasser Aufhellung und Erfrischung bringt, Rosenduft dem Sterbenden oder dem Begleiter die Unruhe nimmt, mit Rosenmassageöl die Füße eingerieben werden oder ob die Rose homöopathisch zum Einsatz kommt. Die Heilpraktikerin Dr. Rosina Sonnenschmidt beschreibt ihre Erfahrungen mit der Rose während des Sterbeprozesses: Es „traten neuere Mittel in mein Blickfeld, die Erleichterung und Leichtigkeit im Sterbeprozess ganz allgemein verschaffen: Agraulis (Schmetterling) und Psittacus (Papagei). Rosa damascena kam als besonders wirksames Mittel hinzu, um den Übergang von der zweiten in die dritte Sterbephase zu erleichtern. Der Sterbende erlebt ein letztes Aufblühen. Oft schimmert eine Rosenröte über das Gesicht, und damit geht eine unbeschreibliche Heiterkeit und Gelassenheit einher, als wollte der Mensch sagen: Bald ist es vollbracht. Verläuft dieser Prozess nicht so sanft, kann das Mittel Rosa damascena wunderbar wirken.“ /8/
Aber auch jenen, die nach dem Verlust eines geliebten Menschen traumatisiert zurückbleiben, denen das Herz schwer und kalt geworden und nach Jahren noch alle Freude im Leben erloschen ist, Menschen, die sich in Krankheit und Isolation befinden, kann Rosenöl helfen. Im Kontext einer Therapie löst es vorsichtig Blockaden und Depressionen, und stellt dadurch das fehlende Gleichgewicht zwischen Lebensfreude und Lebensschmerz wieder her.
 
„Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ (1. Brief des Paulus an die Korinther 13, 13)
 
Die Rose begleitet uns als Sinnbild der Liebe, der Sehnsucht nach dem Himmlischen, der Freude und des Trostes. Sie ist ein Sinnbild des Lebens. Sie stärkt uns auf unserem Weg der Entwicklung durch die verschiedenen Zeiten und Stufen, auf unserem Weg vom äußeren Erleben zum inneren Leben. Die Rose birgt noch manches Geheimnis. Doch wie ein Ahnen dämmert uns langsam die Erkenntnis, dass der Weg zur Erlösung über die Liebe geht. „So ist die Liebe eine Kraft, die verwandelnd und veredelnd die ganze Seele ergreift. Durch sie reifen in der Seele bedeutende Eigenschaften wie Geduld und Treue; Helfen wird zum innigen Bedürfnis bis zur Hingabe des eigenen Wesens. Das ist aber die höchste Kraft, die die Seele erringen kann.“ (Ernst-Michael Kranich) /9/
Als Adam und Eva das Paradies verlassen mussten, gab ihnen ein Engel eine Rosenpflanze mit auf den Weg zur Erde. Diese alte Legende berichtet auch, dass dereinst, wenn sich die Menschheit das Paradies wieder errungen haben wird, die Rose ihre Dornen verlieren wird. Bis dahin aber wollen wir die Rose zur Stärkung und Erhellung unseres Alltages nutzen.
 
 
Steckbrief
 
Name: Damaszener-Rose (Rosa X damascena Mill.)
 
Blütezeit:
im Mai und Juni – Sommerdamaszener
im Spätsommer – Herbstdamaszener
 
Abstammung:
Sommerdamaszener: durch Kreuzung der rosablühenden Rosa gallica mit der weißblühenden Rosa phoenica
Herbstdamaszener: durch Kreuzung der spät- und weißblühenden Moschata- und der rosaroten Gallica
 
Botanik:
Strauch mit lockerer, nicht geschlossener, aber bogig abstehender Triebbildung mit vielen hakenförmigen Stacheln
5 – 7 hellgrüne, später graugrüne Fiederblättchen
dicht gefüllte, etwas flattrig wirkende Blüten in Büscheln mit auffallend langen, teils befiederten Kelchblättern in den Farben Rosa und Weiß, seltener Rosarot
dünne Blütenstiele, so dass die schweren Blüten leicht nach unten hängen
längliche, krugförmige und meist drüsige Hagebutten, Stiel und Frucht gehen ineinander über
 
Herkunft:
Bulgarien, Türkei, Marokko, Indien, Russland (Krimrose);
gedeiht gut im Schutz der Gebirgsketten auf sandigem, steinigem Boden
 
Rosenöl:
enthält 400 Einzelsubstanzen, z.B. Geraniol, Phenylethylalkohol, Eugenol, Nerol …
Charakteristik des Öles: hell und klar, duftet blumig warm und betörend
Wirkung des Öles: harmonisierend, stark stimmungsaufhellend, schmerzlindernd, entkrampfend, tonisierend
 
Weitere Verwandte:
Zentifolien (Hundertblättrige Rose): gehören zu den alten europäischen Gartenrosen, wahrscheinlich aus Kreuzung der Damaszener-Rose mit einer Albarose (aus Essigrose mit Hundsrose) entstanden
Moosrosen: Rosen, deren Kelche, Kelchblätter und Blütenstiele mit drüsigen Borsten (wie bemoost) besetzt sind, durch Mutation aus den Zentifolien entstanden
 
 
 
Zitate:
/1/ Kranich, E.-M.: Pflanzen als Bilder der Seelenwelt, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart, 1996, S. 130
/2/ Domin, H.: Gedicht „Nur eine Rose als Stütze“ aus Blumengedichte, Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart, 2008, S. 62
/3/ Kaufhold, P.: Die Rose – ein Pflanzenporträt, Teil 2, aus „Der Heilpraktiker & Volksheilkunde“, Verlag Volksheilkunde, Bonn, Heft 3/2005, S. 34
/4/ Reier H.: Die altdeutschen Heilpflanzen, ihre Namen und Anwendungen in den literarischen Überlieferungen des 8.- 14. Jahrhunderts, Eigenverlag, Kiel, 1983, Band 2, S. 442
/5/ Hebbel, F.: Gedicht „Sommerbild“ aus Blumengedichte, Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart, 2008, S. 58
/6/ Stadelmann, I.: Die Hebammensprechstunde, Ingeborg Stadelmann Eigenverlag, Ermengerst, 1994, S. 196
/7/ Hesse, H.: Gedicht „Stufen“ aus Die Gedichte, Suhrkamp Taschenbuch 381, S. 676
/8/ Knauss, H.; Sonnenschmidt, R.: Heilungsprozesse in der Homöopathie im Spiegel des Gartens, Sonntag Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co.KG, Stuttgart, 2004, S. 128
/9/ Kranich, E.-M.: Pflanzen als Bilder der Seelenwelt, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart, 1996, S. 138
 
 
Verwendete Quellen:
Beuchert, M.: Symbolik der Pflanzen, insel taschenbuch 2994, Frankfurt a.M. und Leipzig, 2004
Boericke, W.: Homöopathische Mittel und ihre Wirkungen, Verlag Grundlagen und Praxis, Leer/Ostfriesland, 1991
Europa-Rosarium Sangerhausen: Rosenverzeichnis, 9. Auflage, 2011
Fischer-Rizzi, S.: Himmlische Düfte, Heinrich Hugendubel Verlag, München, 1992
Grün, A.; Münch, E.: Glaubenszeichen, Vier-Türme GmbH Verlag, Münsterschwarzach Abtei, 2009
Kiehs-Glos, C.: Wildrose, Verlag Freies Geistesleben & Urachhaus GmbH, Stuttgart, 2000
Knauss, H.; Sonnenschmidt, R.: Heilungsprozesse in der Homöopathie im Spiegel des Gartens, Sonntag Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG, Stuttgart, 2004
Krähmer, B.: Natürlich heilen und pflegen mit Rosenöl, W. Ludwig Buchverlag, München, 1998
Kranich, E.-M.: Pflanzen als Bilder der Seelenwelt, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart, 1996
Rippe, O.; Madejsky, M.: Die Kräuterkunde des Paracelsus, AT Verlag, Baden und München, 2006
Scheffer, M.: Bach Blütentherapie, Heinrich Hugendubel Verlag, München, 1981
Sommer, M.: Heilpflanzen, Verlag Freies Geistesleben & Urachhaus GmbH, Stuttgart, 2011
Stadelmann, I.: Die Hebammensprechstunde, Ingeborg Stadelmann Eigenverlag, Ermengerst, 1994
Vonarburg, B.: Homöotanik Band 2, Karl F. Haug Verlag, Stuttgart, 2005
Wölfel, A.; Ostermayr, B.: Rosa damascena, Hahnemann Institut, Greifenberg, 1999
 
 
Autorin:
Dipl.-Ing. Anke Herrmann, Heilpraktikerin, Großvoigtsberg, 2012
 
Die Autorin sowie der Herausgeber übernehmen keine Haftung für Schäden jedweder Art, die direkt oder indirekt bei der Anwendung der hier vorgestellten Behandlungsmöglichkeiten entstehen können.
 
© Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus e.V. (NHV Theophrastus); Sitz München; VR-Nr. 16437;