Die Salbei – Portrait einer Heilpflanze

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Die Salbei – Portrait einer Heilpflanze
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Der lateinische Gruß „salve“ steht sprachlich in der Nähe von „salvere, salvus und salvia“ und bedeutet: Sei gesund, sei glücklich, lebe wohl! Noch heute wird das Multitalent Salbei seinem Namen gerecht und hilft bei vielen Beschwerden.





Historisches
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Inhaltsstoffe

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Historisches

Bereits um 6000 v. Chr. nutzte die ägyptische Bilderschrift das Zeichen einer Pflanze, die der Salbei ähnelte. Empfohlen wurde sie gegen Bauchkrankheiten, Zahnschmerzen und Asthma. In der „Materia Medica“ des Kaisers Shen-Nung (um 3000 v. Chr.) wird von Salvia miltiorrhiza (Rotwurzelsalbei) nicht das Kraut, sondern die Wurzel als hochrangige Medizin empfohlen. Sie ist in der Pharmacopoea Sinensis offizinell. Die Salbei wird im Papyrus Ebers (1500 v. Chr.) als Juckreiz stillende Pflanze genannt. Das Corpus Hippocraticum (400 v. Chr.) nannte als Anwendungsgebiete ihre entzündungshemmenden Eigenschaften bei Verletzungen, ihre Hilfe bei Gebärmuttererkrankungen sowie Blähungen.
Plinius d. Ä. (23-79 n. Chr.) führte im 22. Buch seiner Naturgeschichte eine Pflanze auf, die er auf Grund ihrer Heilwirkung und der das Wohlbefinden fördernden Eigenschaften „saluia“ nannte. Von diesem Wort kann der botanische Gattungsname „salvia“ abgeleitet worden sein. Plinius beschrieb die harntreibenden, Wehen fördernden und den Blutfluss eindämmenden Eigenschaften der Salbei. Im 26. Buch seiner Naturgeschichte erwähnt Plinius die Salbei nochmals und nennt als Indikationsgebiete Husten und Heiserkeit. Dioscurides (1. Jhd. n. Chr.) und Galen (130-190 n. Chr.) beschrieben die Salbei mit den gleichen Anwendungsgebieten.
Kaiser Karl der Große (747-814) ordnete im „Capitulare de villis et cortis imperialibus“ von 812 den Salbeianbau in Europa an. Die mittelalterliche Ärzteschule von Salerno/Unteritalien (1100-1300) erzielte mit Salbei offensichtlich gute Erfolge, denn sie prägte den Lobspruch: „Cur moriatur homo, cui salvia crescit in horto?“ (Soll der Mensch sterben, dem Salbei im Garten wächst?). Aus den Klostergärten fand die Salbei Eingang in die Bauerngärten.
Die Bauern schätzten Salbei nicht nur als Heilpflanze, sondern auch als Gewürz und Lockpflanze für Bienen. Hieronymus Bock schrieb in seinem „New Kreutterbuch“ (1539): „Unter allen Stauden ist kaum ein Gewächs über den Salbei erhaben, denn er dient dem Arzte, dem Koch, Armen und Reichen.“ Paulini verfasste 1688 ein Buch mit dem Titel: „Das heilige Kraut oder die edle Salbei.“ Johann Hill gab 1778 eine Arbeit mit dem Titel „Das heilige Kraut oder die Kräfte der Salbei zur Verlängerung des menschlichen Lebens“ heraus. Sydenham (1624-1689) und van Swieten (1700-1772) berichteten über die schweißhemmenden Eigenschaften von Salbeitee und -tinktur sowohl bei Nachtschweißen von Rekonvaleszenten und Tbk-Patienten als auch im Klimakterium und bei Hyperthyreose (gesteigerte Schilddrüsen-Hormonproduktion). Einer der bedeutendsten Salbeiforscher der Gegenwart, Prof. Dr. Carl Heinz Brieskorn (Institut für Pharmazie und Lebensmittelchemie der Universität Würzburg) veröffentlichte in der Zeitschrift für Phytotherapie 12 (1991), 61-69 eine ausführliche Arbeit über die Salbei-Inhaltsstoffe und deren therapeutischen Wert.

Zur Botanik

Die Salbei ist ein Halbstrauch von 20-70 cm Höhe und in den Mittelmeerländern beheimatet. Sie liebt Kalkboden (westliche Balkanhalbinsel, Karst!), kann aber als Kulturpflanze auf allen Böden gedeihen, außer solchen mit Staunässe. Sie gedeiht auch noch in Höhen von 1000 m. Die Salbei gehört zur Familie der Lippenblütler (Labiatae) und kommt in vielen Arten vor. Angebaut wird in Mitteleuropa Salvia officinalis. Wildwachsend treffen wir in Deutschland Salvia verticillata (Quirlige Salbei), Salvia nemorosa (Steppensalbei) und Salvia pratensis (Wiesensalbei) an. Verwandt mit der Salbei, weil auch zu den Lippenblütlern gehörend, sind solche Heilpflanzen wie Rosmarin, Lavendel, Thymian, Melisse, Bohnenkraut, Minze, Ysop, Dost, Majoran und Basilikum. Salbeiarten kommen auch in Mexiko, den südlichen USA, auf der Krim, in Mittelasien und Äthiopien vor.
Kultivierte Salbeiarten werden in den Mittelmeerländern, in Georgien und Armenien sowie in Deutschland (Sachsen) angebaut. Anbaugebiete in den Mittelmeerländern dienen vor allem der Gewinnung von Salbeiöl; in den übrigen Anbaugebieten geht es vor allem um die Gewinnung von Blättern und Blüten.
Während in Deutschland die wie auch der Salbei möglich ist, sprechen die Österreicher ausschließlich von „der Salbei“.

Inhaltsstoffe

Die Salbeipflanze weist etwa 60 verschiedene Inhaltsstoffe auf. Der würzige Geruch der Salbei stammt vom ätherischen Öl, das in Drüsenhaaren und Drüsenschuppen des Blattes enthalten ist. Nach dem DAB (Deutsches Arzneibuch) muss der Mindestgehalt an Öl bei Salbeiblättern 1,5% betragen. Das ätherische Öl muss vor Licht geschützt und darf nicht länger als 2 Jahre gelagert werden. Das ätherische Öl enthält eine Reihe von Einzelbestandteilen, deren quantitative Anteile je nach Jahreszeit, Klima, Standort und Bodenverhältnissen Schwankungen unterliegen. Für die Wirkung der Salbei ist, wie bei allen Heilpflanzen, kein Einzelwirkstoff, sondern der Wirkstoffkomplex verantwortlich. Für den würzigen Salbeigeruch sind vor allem Thujon und Campher zuständig. Pikrosalvin ist die Ursache des bitteren Geschmacks von Salbei. Die Carnosolsäure, ein so genanntes Diterpen, dürfte die Ursache dafür sein, dass Salbei fast keine mikrobiellen Schädlinge hat.
Mit Apigenin und Luteolin enthält Salbei zwei Flavone. Die Flavone sind Wirkstoffe, die u. a. antiviral, antineoplastisch und antiphlogistisch (entzündungshemmend) wirken. Sie steigern die infektionsprophylaktische Wirkung von Vitamin C und besitzen eine herzkranzgefäßerweiternde und blutdrucksenkende Wirkung. Rosmarinsäure vertritt die Gerbstoffe in der Salbeipflanze. Sie wirkt adstringierend (zusammenziehend), antimikrobiell und antioxidativ, d. h. sie hemmt bzw. hindert die Oxidation ungesättigter Verbindungen und blockiert Sauerstoffradikale.
Die genannten Inhaltstoffe beziehen sich auf die Blätter. Salbeiblüten und Salbeiwurzeln wurden erstmals 1989/90 auf ihre Inhaltsstoffe untersucht, und zwar
Wurzeln vom Institut für Biotechnologie der Akademie der Wissenschaften der DDR in Leipzig (Dr. Döbel) und
Blüten und Wurzeln von Analytikon, Gesellschaft für Chemische Analytik und Consulting GmbH, Berlin.
Salbeiwurzeln enthalten nur Spuren an ätherischem Öl und enthalten zu 1% Gerbstoffe ohne Anteile von Rosmarinsäure. Der Gerbstoffgehalt nimmt mit dem Wurzelalter zu.
Die Blüten enthalten wenig Campher, dagegen höhere Konzentrationen an anderen Terpenen. Der Gehalt an ätherischem Öl liegt in der gleichen Größenordnung wie bei Blättern und Triebspitzen, wenn auch mit z. T. starken Abweichungen einzelner Terpene. Die Blüten enthalten Gerbstoffe sowie – wie die Blätter – die Flavone Apigenin und Luteolin.
1957/58 wurde erstmals das Salbeiharz untersucht. (Walther, H.-J., Pharmazie 13 (1958), 647). Bei der Salbeipflanze kommt es schon innerhalb des normalen Stoffwechsels zu einer harzigen Exkretion, die durch äußere Eingriffe gesteigert werden kann (z.B. Verwundung). Die Gewinnung des Harzes erfolgt durch partielles Abdampfen des Lösungsmittels von einem Extrakt der harzreichen Blüten, wobei das Harz als Feststoff ausfällt und abfiltriert werden kann. Salbeiharz enthält u.a. die schwerer flüchtigen Terpene Cineol, Thujon, Campher und Borneol. Der Gesamtgerbstoffgehalt des Harzes liegt zwischen 5,3 und 7,8%. Salbeiharz enthält die Flavone Luteolin und Apigenin. Dank des Orthodiphenols Rosmarinsäure und anderer Phenole hat Salbeiharz eine hohe antimikrobielle Wirkung.