Mit dem Feuer der Sonne und Vulkane
Morgenstimmung im Bromo Tengger Semeru National Park, Indonesien © Aldi auf Pixabay
Zwei Nelkenknospen in der Staatsflagge
Karte der Molukken aus dem 17. Jahrhundert, Willem Blaeu (1571-1638) © gemeinfrei (Wikimedia Commons)
Bei Ausgrabungen wurden in Ägypten neben anderen Gewürzen auch Nelken in alten Mumiensärgen gefunden. Standen doch die antiken Völker in umfassenden Handelsbeziehungen zueinander, so dass eine frühe Verbreitung und Nutzung im Mittelmeerraum sehr wahrscheinlich ist.
Malaiische Schiffer brachten Gewürznelken und Muskatnüsse von den Molukken nach Ceylon, wo die Ware arabische Händler übernahmen. Über Karawanenwege wie z. B. die legendäre Weihrauchstraße gelangten die Gewürze nach Konstantinopel und an den römischen Kaiserhof. Konstantin der Große, der von 306 bis 377 römischer Kaiser war, überreichte Papst Sylvester I. nachweislich Gewürznelken.
Im Mittelalter boomte die Nachfrage nach Nelken und Muskatnuss geradezu, denn diese Gewürze boten den nicht gerade verwöhnten mittelalterlichen Geschmacksnerven neue Erlebnisse. Hildegard von Bingen (1098–1179) rühmt die Heilkraft der Gewürznelke in ihrer „Physika“. Jedoch waren sie so teuer, dass sie für die einfachen Menschen als Gewürz unerschwinglich schienen. Als Medizin wurden sie hoch gepriesen und wie andere aromatische Heilpflanzen auch zum Schutz vor Ansteckung in Zeiten großer Pestepidemien gekaut oder als Kette aufgefädelt um den Hals gehängt.
getrocknete Blütenknospen des Nelkenbaumes © Gabriele Hanke
Der Beginn der Neuzeit hob die sagenhaften Gewürzinseln aus dem Schleier
der unbekannten Welt. 1511 besetzten die Portugiesen auf der Suche nach
neuen Seewegen die Molukken. Fortan nannte sich der portugiesische König
auch „Herr des indischen Handels“. Doch sein Glück währte nicht lang,
denn ein blutiger Gewürzkrieg entbrannte. Holländer eroberten die Inseln
und erlaubten den Anbau von Nelken, Muskat und Zimt nur auf Inseln, die
sie total kontrollierten. Mit der Todesstrafe auf Ausfuhr von Früchten
und Setzlingen und der Vernichtung anderer Plantagen außerhalb ihres
Herrschaftsbereiches versuchten die Holländer ihr Monopol und enorme
Profite zu sichern. Doch die gestrengen Handelsherren hatten die
Rechnung ohne die wilden Tauben gemacht, die auf den Inseln lebten.
Diese hinterließen bei Ausflügen auf Nachbarinseln immer wieder
keimfähige Samen. 1769 gelang es Franzosen, junge Pflanzen von den
streng bewachten Molukken auszuführen und auf den französischen Inseln
im Indischen Ozean (heute Réunion und Mauritius) anzusiedeln. Das Ende
der Herrschaft der niederländischen Ost-Indien-Kompanie brachten die
Engländer zum Ende des 18. Jahrhunderts, die ihre Herrschaft auf dem
indonesischen Archipel errichteten.
Briefmarke von Indonesien © gemeinfrei (Wikimedia Commons)
Eukalyptus und Co.
Nelkenbäume in Nordsulawesi © Midori, Clove trees North Sulawesi, CC BY-SA 3.0
Trotz seines Namens zählt der Nelkenbaum nicht zu den Nelkengewächsen,
wie die Gartennelke (Dianthus caryophyllatus), sondern zu den
Myrtengewächsen (Myrtaceae). Diese wärmeliebende Heilpflanzenfamilie
zeichnet sich durch hohen ätherischen Ölgehalt aus und begegnet uns in
vielerlei Gestalt im Alltag. Vom Eukalyptusbonbon bis zum grünen
Hochzeitskranz aus Myrte, vom Lebkuchen- und Glühweingewürz bis zum
exotischen Guavensaft begleiten uns Myrtengewächse in unserem Leben. Sie
gedeihen in trocken-warmen Gegenden wie z. B. in Australien (Eukalyptus,
Teebaum) oder benötigen tropisches feucht-warmes Klima (Gewürznelke,
Piment). Die eingefangene Sonnenenergie tritt uns in ihren intensiv
duftenden ätherischen Ölen entgegen.
Früher besiedelten Vertreter dieser Familie weite Teile der Erde. Doch die Eiszeit verdrängte sie aus Europa und nur die Myrte konnte sich im Mittelmeerraum halten.
Die ätherischen Öle der Myrtengewächse bestehen vorrangig aus Monoterpenen und Phenylpropanen. Diese gehören mit zu den aktivsten Substanzen in der Pflanzenheilkunde. Sie können Haut- und Schleimhautbarrieren gut überwinden, regen in kleinen Dosen an, in großen Dosen wirken sie jedoch reizend und sogar schädigend. Dabei zeigen sie besonders antivirale und antibakterielle Wirkungen und stimulieren die Durchblutung. Sie unterscheiden sich jedoch in der Wirkrichtung. So werden die Wirkstoffe von Myrte und Eukalyptus bei Erkrankungen der Atemwege eingesetzt, das Nelkenöl wirkt mehr im Verdauungstrakt und im Nervensystem. Teebaumöl tötet bei konzentrierter Anwendung Pilze und Bakterien ab. Interessant ist, dass der Tee der gemahlenen Samen der auf dem Jambulbaum (Syzygium jambos) wachsenden Jambulanapflaume nachgewiesene blutzuckersenkende Wirkungen zeigt. Das entsprechende homoöpathische Präparat Syzygium jambolana scheint in tiefen Potenzen das Diabetesmittel der Homöopathie zu sein.
„Drauf schickt ich ihr ein Sträußelein, schön Rosmarin, brauns Nägelein …“
Die Gewürznelke ist eine Heilpflanze, bei der traditionell die gerade
noch nicht geöffnete Knospe geerntet wird. © Gabriele Hanke
Der botanische Gattungsname „Syzygium“ stammt vom griechischen „syzygos“. Dies bedeutet „gepaart, vereinigt“ und charakterisiert die Blütenblätter, welche zu einer Haube verwachsen sind.
Die alte lateinische Bezeichnung „Eugenia caryophyllata“ für die Gewürznelke ist inzwischen überholt. Der Gattungsname „Eugenia“ stammt von Prinz Eugen von Savoyen (1663–1736) ab, der ein Förderer und Eigentümer eines botanischen Gartens war. „Caryophyllata“ ist dem altgriechischen „karyophyllon“ abgeleitet, wobei wahrscheinlich die griechischen Händler das Wort ihren südasiatischen Lieferanten abgelauscht haben. So ähnelt es dem Sanskritwort für „scharfe Frucht“.
Scharfe Knospen von immergrünen Bäumen
„Die Nägeleinbäume wachsen etwas höher als hierzulande die Pflaumenbäume, ohngefähr wie ein ziemlicher Birnbaum. An Laub oder Blättern sind sie den Weiden ähnlich. Sie tragen das ganze Jahr zugleich Blüten, zeitige und unzeitige Nägelein. Doch ist die rechte Blütezeit im Junio, Julio und Augusto, als zu welcher Zeit die südlichen Winde wehen.“ So beschreibt Caspar Schmalkalden die Nelkenbäume auf seiner Reise zu den Molukken im 17. Jahrhundert.
(Aus: „Die wundersamen Reisen des Caspar Schmalkalden nach West- und Ostindien 1642–1652“, Weinheim, 1983, S. 124)
Blätter des Gewürznelkenbaumes © Krzysztof Ziarnek, Kenraiz Syzygium aromaticum kz1, CC BY-SA 4.0
Die stark belaubten, immergrünen Nelkenbäume gedeihen im feuchtheißen,
tropischen Klima in windgeschützter Lage. Die schlanken Bäume erreichen
eine Höhe von 10 bis 15 m. In den Anbaugebieten werden sie jedoch auf
ca. 6 m Höhe gehalten. Das Holz ist sehr hart und dauerhaft und von
stumpfer, grauer Farbe. Der jugendliche Nelkenbaum hat ein
pyramidenförmiges Aussehen, ein sehr empfindliches Wurzelwerk und liebt
den Schatten. Mit zunehmendem Alter spreizen die Zweige auseinander und
hängen letztlich sogar nach unten. Nelkenbäume müssen vorsichtig
beerntet werden, da Astbruch Pilzbefall fördert. Nelkenbäume können
sogar über 130 Jahre alt werden. Alle Teile der Pflanze enthalten das
stark aromatisch und süßlich duftende ätherische Öl, jedoch in sehr
unterschiedlicher Konzentration.
Die immergrünen, glänzenden Blätter erinnern in ihrer Form an lange,
geäderte Lorbeerblätter. Die ersten Knospen erscheinen ab dem 4. bis 6.
Lebensjahr des Baumes. Gute Ernten sind vom 20. bis zum 60. Lebensjahr, z. T. auch darüber hinaus, möglich. Die kleinen, regelmäßigen, stark
duftenden Blüten, die sich beim Aufblühen von weiß zu rot färben, stehen
in Trugdolden an den Zweigenden. Die Blüten öffnen sich zu kleinen
Pinseln aus weißen Staubfäden. Aus dem Fruchtknoten entwickelt sich eine
dunkelrote, wohlschmeckende, an kleine Oliven erinnernde Beere. Diese
besitzt einen nelkenähnlichen, aber weniger intensiven Geruch und
Geschmack. Die nicht völlig ausgereiften Früchte werden auch
Mutternelken genannt. Diese werden in Japan in geringem Umfang
medizinisch genutzt. Gelegentlich werden auch getrocknete Nelkenfrüchte
verkauft.
Trocknung der geernteten Knospen in Munduk, Bali © tinofrey (gemeinfrei, Wikimedia Commons)
Gewürznelken werden zum Würzen der Speisen, als Heilmittel und besonders in Indonesien für Zigaretten genutzt. Das aus den frischen Knospen gepresste sowie das aus den getrockneten Nelken bzw. Blättern mittels Wasserdampf destillierte Nelkenöl dient als Duftstoff in Parfüms, Seifen oder Zahncremes. Es war auch früher ein wichtiger Ausgangsstoff für die Vanillinsynthese.
Die Gewürznelke ist eine Heilpflanze, bei der traditionell die gerade noch nicht geöffnete Knospe geerntet wird. Dieser Zustand höchster Konzentration, der sich in allen Knospenbildungen vollzieht und hier mit der Konzentration an höchstem Wirkstoffgehalt einhergeht, ließe sich vielleicht auch bei anderen Heilpflanzen nutzen.
Anatomie des Nelkenduftes
Knospen und Blüten am Gewürznelkenbaum © tinofrey (gemeinfrei, Wikimedia Commons)
Geballte Knospenkraft
Der Geruch der Gewürznelken und ihr Würzgeschmack bestimmen den Einsatz der Droge in der Heilkunde. Dabei werden besonders Nelken pur, alkoholische Auszüge als Tinkturen und das ätherische Nelkenöl genutzt. Eine schulmedizinisch gesicherte Wirkung wird der Gewürznelke bei entzündlichen Veränderungen der Mund- und Rachenschleimhaut, zur örtlichen Schmerzstillung bei Zahnschmerzen sowie als Antiseptikum zur Behandlung von Wurzelkanälen bescheinigt.
Aufgrund seines überdurchschnittlich hohen Gehaltes an Wirkstoffen ist die Gewürznelke eine echte pflanzliche Alternative in der Schmerztherapie und kann sowohl im Sinne der Ersten Hilfe als auch dauerhaft angewendet werden. Das im ätherischen Öl enthaltene Eugenol hemmt nachweislich das Wachstum von Bakterien und Viren. Es wirkt schmerzlindernd und entzündungshemmend. In hoher Dosierung werden die Haut oder die Schleimhäute gereizt oder Unverträglichkeiten hervorgerufen. Selbst allergische Haut- und Schleimhautreaktionen können auftreten.
Zusammen mit Caryophyllen entspannt Eugenol Muskelgruppen im Bereich des Darmes und der Atemwege. So kann die Gewürznelke bei Erkrankungen der Atemwege wie Husten und Asthma sowie bei Unterleibskrämpfen und Verdauungsstörungen hilfreich sein. Nelkentinktur ist deshalb häufig ein Bestandteil traditioneller Magen- oder Stärkungsmittel, verschiedener Melissengeistrezepturen und Kräuterliköre.
Anwendungen
Gewürznelken
Bei Zahnfleischentzündungen oder Zahnschmerzen
eine Nelke in die Wangentasche stecken oder das Zahnfleisch
vorsichtig damit massieren. Für frischen Atem sorgt auch das Kauen
einer Nelke.
Nelkentee © Gabriele Hanke
Nelkentee
½ Teelöffel Nelken mit kochendem Wasser übergießen und nach 10 Minuten abseihen, davon 2–4 Tassen täglich trinken. Dies empfiehlt sich bei Darmkrämpfen und leichten rheumatischen Beschwerden. Nelkentee eignet sich auch bei Entzündungen und Infekten der Atemwege.
Nelkenöl
Das Öl sollte nur sehr sparsam dosiert werden und nur nach vorsichtigem Verträglichkeitstest bei Schmerzen direkt auf die Haut gerieben werden. Eine Verdünnung mit einem fetten Massageöl ist empfehlenswert. Dabei werden 2 Tropfen Nelkenöl mit 3 Esslöffeln fettem Basisöl gemischt. Eine entspannende Nelkenöl-Massage lindert Brechreiz, Verkrampfungen im Verdauungsbereich, Blähungen, rheumatische Beschwerden sowie Muskel- und Gliederschmerzen. Im Mundbereich kann es auch in Wasser getropft zum Spülen und Gurgeln angewandt werden, um eine desinfizierende Wirkung zu erzielen. Da es Wehen fördert, sollte es in der Schwangerschaft nicht bzw. erst dann, wenn Wehen erwünscht sind, verwendet werden.
Bezüglich der Anregung der Uterusmuskulatur zur Wehentätigkeit empfiehlt die bekannte Hebamme Ingeborg Stadelmann neben anderen Methoden ein nelkenhaltiges Gewürzgetränk. Dieses Getränk regt die Wehen an und leitet meist auch die Geburt ein. Aus diesem Grund rät Frau Stadelmann von der Anwendung von Nelkenöl in der Duftlampe oder in Massageölen bis zur 36. Schwangerschaftswoche ab.
Aufgrund seiner entzündungshemmenden und desinfizierenden Wirkungen findet sich das Nelkenöl in verschiedenen handelsüblichen Mundwässern wieder. Als Beispiele seien hier
- Repha-OS® Mundspray der Firma Repha,
- Salviathymol® N der Firma Madaus und
- Mundwasser Konzentrat der Firma Bombastus sowie Sedative Original Bombastus®
genannt.
In der Aromatherapie wird das ätherische Nelkenöl dem Planeten Sonne und dem Element Erde zugeordnet und in Mischungen als Basisnote eingesetzt. In der Duftlampe angewandt hilft seine wärmende Energie, erstarrte Seelenzustände zu lösen und ungelöste Konflikte zu bewältigen. Es stärkt die Nerven und vermittelt Versöhnlichkeit, Zufriedenheit und Harmonie.
Die Gewürznelke aus der Sicht des Paracelsus
Paracelsus (1493–1541) verwendete unzählig viele verschiedene Pflanzen, Minerale oder tierische Gifte. Auch wenn er der Meinung war, dass jedem Land seine eigene Krankheit, seine eigene Arznei und sein eigener Arzt erwachse, so benutzte er doch erstaunlich viele exotische Heilpflanzen. Die Gewürznelke stand bei ihm sozusagen in der zweiten Reihe. Wegen ihres warmen und intensiven Geruches der Sonne zugeordnet, war die Gewürznelke universell einsetzbar und harmonisierte die Rezepturen. Sie bringt durch ihre gespeicherte Sonnenkraft Wärme besonders in den unteren Menschen, feuert die Verdauung an und hält den Lebensgeist warm. Paracelsus setzte Gewürznelken seinem Aqua vitae (Lebenselixier) zu, erwähnt sie als schmerzlindernde Gebärmutterarznei und empfahl sie als Stärkungsmittel nach Abführmitteln. Er kreierte ein nelkenhaltiges „Specificum Odoriferum“, vorstellbar als alchimistische Duftkugeln, die die schlechten Ausdünstungen der Kranken verwandeln sollten und durch Wohlgeruch die Genesung vorantrieben.
„Die Kraft, die dem Körper durch den Geruch gegeben wird, bewegt das Blut, reizt das Herz an und erquickt es mehr, als es beschrieben werden kann.“
(Rippe, O., Madejsky, M.: Paracelsusmedizin, AT Verlag, Baden und München, 2002, S. 44)
Paracelsus wusste auch um die antiseptische Wirkung der Nelken, denn das Nelkenöl konnte zur Bierkonservierung genutzt werden.
Das über Jahrhunderte in Europa in Künstler- und Gelehrtenkreisen als
Schlaf- und Allheilmittel sehr geschätzte „Laudanum“ hat seinen Ursprung
bei Paracelsus. Ein Bestandteil seines Laudanumrezeptes war
erstaunlicherweise die Gewürznelke. Von Agricola, Goethe, Novalis bis
hin zu Edgar Allen Poe zieht sich der Reigen der Anwender. Durch diese
psychoaktive Mischung schuf Paracelsus ein Arzneimittel, das sich nach
seinem Tod zu einer „Marke“ entwickelte und indirekt die
Kulturgeschichte beeinflusste.
Nelken werden gern in der Küche verwendet. © RitaE, Pixabay
In den Kochtöpfen der Welt zu Hause
Heute werden auf der ganzen Welt Gewürznelken zum Würzen von Getränken, Suppen, braunen Saucen, Fisch, Wild und Rotkraut, eingelegten Früchten und Marinaden und natürlich im Weihnachtsgebäck verwendet. Der Duft des Weihnachtsmarktes nach Glühwein und Punsch erhält durch die Nelken erst seine typische Atmosphäre. Gewürznelken verleihen den Speisen eine besondere Note und runden den Geschmack ab, wenn sie sparsam verwendet werden. „Prisengewürz“ heißt hier das Schlagwort. Sauerkraut und Schweinebraten werden bekömmlicher. Dabei können ganze Nelken mitgekocht und erst vor dem Servieren entfernt werden. Für Soßen und Fischgerichte werden eher gemahlene Nelken verwendet. Diese sollten aber möglichst frisch im Mörser zerstoßen werden, da das Aroma schnell verfliegt und gemahlenes Pulver nicht lange brauchbar ist. Eine erfahrene Hausfrau „spickt“ eine halbe Zwiebel mit ein paar Nelken und würzt damit Fleischbrühen, Braten und Kohlgerichte. Aber auch Süßspeisen, Spaghetti und Pizzasoßen profitieren vom Nelkenaroma.
Nelken guter Qualität, d. h. mit hohem Ölgehalt, schwimmen senkrecht auf dem Wasser oder gehen unter, mindere Qualitäten schwimmen waagerecht.
Nelken sind in allen Küchen der Welt beliebt und damit auch ein fester
Bestandteil der verschiedenen Würzmischungen. Vom chinesischen
Fünf-Gewürze-Pulver über diverse indische Currys, vom arabischen
baharat zum marokkanischen ras el hanout bis hin zum klassisch
französischen quatre épices und der Worcestersauce zieht sich der
Nelkenduft. Nur in ihrer Heimat findet sie selten den Weg in die
Kochtöpfe. Denn dort wird sie geraucht! Die typischen Nelkenzigaretten
Indonesiens bestehen zu einem Drittel aus Nelken und zu zwei Dritteln
aus Tabak. Das Räuchern von Nelken hat den Vorteil, dass der Rauch
Mücken und anderes Ungeziefer verjagt. Doch auch in unseren Breiten
halten Zitronenscheiben mit Nelken gespickt ebenfalls Mücken und manche
Wespe vom Pflaumenkuchen fern. Selbst als Zeckenschutz ist Nelkenöl
verwendbar. Neben langen Pullovern und Hosen bietet eine Einreibung der
Arme und Beine mit Nelkenöl, sofern man es verträgt, eine gewisse
Zeckenabwehr. Jedoch ist dabei zu bedenken, dass sich die ätherischen
Öle relativ schnell verflüchtigen und der Schutz nicht allzu lange
anhält.
mit Nelken gespickte Orange als selbstgemachter Raumduft © NHV Theophrastus
Zu Omas Zeiten wurde noch bei Schluckauf empfohlen, auf einer
Gewürznelke zu kauen. Auch zur Raumbeduftung waren Nelken ein beliebter
Bestandteil von Blumenpotpourris und Duftkugeln. Zum Beispiel wurden
Orangen hübsch mit Nelken gespickt und in Zimt- und Muskatpulver
gewälzt. Nach dem Trocknen an einem warmen Ort konnte die dekorative
Duftkugel mit einem Seidenband aufgehängt werden.
Nelken – das Besondere im Verborgenen
Nelkenduft ist allgegenwärtig, und doch nimmt man ihn selten bewusst wahr. Sie entstammen dem anderen Ende der Welt und gedeihen in tropischen Breiten. Und doch sind sie in Europa seit über 2000 Jahren im Alltag der Menschen verankert. Sie tragen die tropische Sonne und die Hitze der Vulkane in sich, sie sind voll geballter Knospenkraft und doch ist die Nelke meist nur ein Bestandteil verschiedener Heilkräutermischungen oder Tinkturen. Die Nelke kann ihre Kraft zurücknehmen und sich einfügen. Sie lindert und gleicht aus und nur bei Überdosierung zeigt sie ihr ganzes Feuer. Abgesehen vom Pfeffer wurden wegen keiner anderen Pflanze so blutige Kriege geführt. Sie wurde mit Gold aufgewogen und mit Gulden bezahlt. Sie begleitet die Menschen, sie macht das Leben leichter und schmerzärmer. Dies geschieht jedoch meist unscheinbar im Verborgenen, als etwas Besonderes.
2009
Literatur
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Iburg, A.: Dumonts kleines Gewürzlexikon, Edition Dörfler im Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim
Kunick-Wünsche, B.: Natürliche Alternativen zu synthetischen Schmerzmitteln, in Natur & Heilen 09/2008, Verlag Natur & Heilen, München, S. 32–38
Laux, H.E. und H., Tode, A.: Gewürzpflanzen, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart, 1993
Lubinic, E.: Handbuch Aromatherapie, Karl F. Haug Verlag, Stuttgart, 2004
Piggott, R.J.: A school geography of Zanzibar, MacMillan & Co. Ltd., London, 1961
Rippe, O., Madejsky, M.: Paracelsusmedizin, AT Verlag, Baden und München, 2002
Pahlow, M.: Das große Buch der Heilpflanzen, Gräfe und Unzer Verlag, München, 1989
Stadelmann, I.: Die Hebammensprechstunde, Eigenverlag, 2001
Van den Toorn, P.: Myrtacae = Myrtengewächse, in Naturheilpraxis 2/2007, Pflaum Verlag GmbH & Co. KG, München, S. 194–199
Vonarburg, B.: Homöotanik Band 4: Extravagante Exoten, Karl F. Haug Verlag, Stuttgart, 2005