Begegnung mit Bitterstoffen
„Das ist bitter!“ Unser Mitgefühl gilt denen, welche bittere, also schwere, leidvolle Erfahrungen machen mussten. Und bezieht sich dieser Ausruf auf eine Speise, hält jeder instinktiv eher Abstand – bitteres Essen lässt nicht nur Kinder das Gesicht verziehen und höchstens vorsichtig wird gekostet, meist verweigert. Viele verschiedene Schlüssel öffnen viele verschiedene Türen. © Pixabay/ Hans
Das Süße, Milde und Angenehme lässt uns lächeln und assoziiert Wohlbefinden. Bitteres ist unangenehm und wird daher vermieden. Unser Körper jedoch ist auf Bitterstoffe ausgeklügelt eingestellt. Während den Geschmacksrichtungen süß und umami (herzhaft-würzig) gerade mal 3 Rezeptoren-Typen in den Geschmackszellen unseres Mundraumes zur Verfügung stehen, dienen mehr als 25 Rezeptoren als Andockstellen für Bitterstoffe. Die Aufnahme und Weiterleitung bitterer Reize ist demzufolge für unseren Körper von großer Bedeutung.
Aufgaben der Bitterstoffe
Bitterstoffe in der Nahrung erfüllen zum einen eine Schutzfunktion. Pflanzen mit vielen bitteren Substanzen sind häufig hochwirksam und müssen entsprechend sorgfältig dosiert werden. Ausspucken oder Erbrechen sind ein natürlicher Schutz vor einem Zuviel. Zum anderen sind Amara, so der medizinische Begriff für Bittermittel, eine Gruppe sehr unterschiedlicher Stoffe. Oft werden sie daher zur besseren Übersichtlichkeit noch unterteilt. Die reinen Bitterkräuter wie Tausendgüldenkraut und Enzian lassen sich so beispielsweise von Bittermitteln mit ätherischen Ölen (wie Angelikawurzel oder Pomeranzenschale) und solchen mit Scharfstoffen (wie Ingwer und Gelbwurz) unterscheiden3. Auch beim Computer hat jedes Kabel seinen Anschluss – dann können Signale empfangen, verarbeitet und weitergegeben werden. © Pixabay/ Alfred Lichtenauer
nette Gesellschaft und eine Tafel voller abwechslungsreichem Essen © Pexels/ Julia M Cameron
Wirkungen von Bitterstoffen
Die Reaktionen nämlich, welche durch eine Vielfalt bitterer Reize in Gang kommen, sind ebenso vielfältig: Allein durch die Aufnahme in den Mund werden mehrere verdauungsförderliche Prozesse angekurbelt. Die Mundschleimhaut zieht sich kurzzeitig zusammen und wird aktiviert. Die Speichelproduktion wird gesteigert, sodass erste Verdauungsenzyme vermehrt vorhanden sind. (Wer Bitterstoffe in Kapseln supplementiert, beraubt sich somit erster hilfreicher Abläufe.) Verdauung beginnt im Mund. © Pexels/ Anna Shvets
Auf den Säure-Basen-Haushalt des Körpers nehmen Amara ausgleichenden Einfluss. Der moderne, von westlicher Esskultur geprägte Mensch leidet oftmals unter Übersäuerung aufgrund zu süßer und fettiger Nahrung. Mit herb-bitteren Bestandteilen in den Mahlzeiten führen wir uns hingegen basische Elemente zu und regen außerdem die Funktion körpereigener Basenbildner an. Radfahren und Bewegung an der frischen Luft hält fit und macht Freude, solange nichts schmerzt. © Pixabay/ Дмитрий Макаров, Kardinal
Es gibt Hinweise auf eine Stärkung der Herztätigkeit, die Erweiterung der Herzkranzgefäße und eine verbesserte Gefäßspannung der Venen durch Bittermittel6. Sogar unser Nervensystem gewinnt durch ein Mehr an Bittersubstanzen. Da wir uns in Folge der vorangegangenen Wirkungen wohler fühlen, sind Amara stimmungsaufhellend. Zudem haben sie Einfluss – in Abhängigkeit von der Dosis – sowohl auf den Sympathikus als auch den Parasympathikus7. Diese beiden Gegenspieler sind Bestandteile des vegetativen Nervensystems, welches die autonomen Abläufe unseres Körpers sowohl in Phasen der Anspannung als auch der Regeneration reguliert. Damit wirken Bitterstoffe umfassend auf unsere Körperfunktionen. Und ein reibungsloses Ablaufen der zahlreichen lebensnotwendigen Vorgänge trägt wesentlich zum Wohlbefinden bei.
Interessant sind diese alten Erkenntnisse auch deshalb, weil neueste Forschungen Rezeptoren für Bitterstoffe im ganzen Körper gefunden haben4. Die Bedeutung herber Nahrungsmittel für die Gesundheit wird eindringlich vor Augen geführt, wenn bewusst wird, dass beispielsweise selbst Nieren, Herz, Lunge, Haut und Gehirn über Ankerpunkte für diese Reizauslöser verfügen. Weitere Studien werden zeigen, wie genau welche Substanz aus der großen Gruppe der Amara für unsere Gesundheit verantwortlich ist und welche Auswirkungen ein Mangel ebendieser mit sich bringt.
Einbinden von Bitterstoffen
am besten zeitig heranführen und gemeinsam genießen – so gelingt abwechslungsreiches, gesundes Essen © Pexels/ Timur Weber
Nun muss es nicht gleich eine Tasse Wermut-Tee oder der Teller Rosenkohl sein. Vermutlich wären leichte Übelkeit, Magendrücken oder sogar Erbrechen die Folge übereifrigen Handelns. Besser ist es, sich langsam, aber stetig daran zu gewöhnen. Vor allem sollte das Essen weiterhin Freude bereiten: Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, den Speiseplan Stück für Stück zu erweitern.
Ausgewählte Beispiele:
Kräuter & Gewürze
- Löwenzahn, Schnittlauch
- Majoran, Oregano, Bohnenkraut
- Lorbeerblätter, Hopfen
- Kreuzkümmel, Nelken
- Kurkuma, Ingwer
- Salbei, Rosmarin
Gemüse & Salate
- Brokkoli, Kohlsorten
- grüne Paprika, Aubergine
- Mangold
- Sellerie
- Chicorée, Radicchio, Rucola
- Oliven
- Zwiebeln
Obst
- Grapefruit
- Pomelo
- Limetten, Zitrone
- Kumquat
Nüsse, Getreide und Co.
- Buchweizen
- Roggen, Gerste
- Mandeln mit brauner Haut
- Kürbiskerne, Leinsamen
- Chiasamen
- Amaranth
Getränke
- Grüner Tee, Schwarzer Tee
- Kaffee
- Bitterbiersorten
Probieren Sie mit Entdeckerlust und genießen Sie ganz bewusst mit allen Sinnen! Bei dieser Auswahl ist sicher für Jeden etwas dabei. Hier ist für jeden was dabei! © Pexels/ fauxels
Wenn im Frühjahr die Natur mit Macht wieder zum Licht drängt, stecken die ersten Wiesenkräuter besonders voller guter Inhaltsstoffe. Die bekannten Frühjahrs- und Entgiftungskuren basieren vornehmlich auf diesen heimischen Schätzen. Für alle, die keine Zeit finden selbst in der Küche zu stehen oder nicht vertraut sind mit dem Pflanzen finden und bestimmen: Firmen wie Bitterkraft!®, Pascoe oder Schoenenberger, Bombastus oder Bad Heilbrunner® bieten zahlreiche Bitterkräuter an. Hier bleibt lediglich die Wahl der Darreichungsform: Tees, Frischpflanzensäfte, Tropfen und mehr.
Speisen mit bitteren Zutaten bereichern nicht nur unsere Geschmackswelt, sie sind wichtig für die gesunde Funktion zahlreicher Verdauungsprozesse, sorgen für die rechte Balance im Miteinander vieler Abläufe und fördern die allgemeine Körpertätigkeit. Wir brauchen das Herbe, um gesund und stark durch unser Leben zu gehen.
NHV Theophrastus, Januar 2026
Quellen:
https://www.gesundheitsinformation.de vom 13.01.2026 (mit den Stichworten „Rezeptoren“ und „vegetatives Nervensystem“)
https://www.openscience.or.at/hungryforscienceblog/geschmackssinn-mythos-zungenlandkarte/ vom 13.01.2026
https://bitterliebe.com/pages/bitterkrauter vom 13.01.2026
Schilcher, Heinz: Leitfaden Phytotherapie; Urban & Fischer Verlag/Elsevier; 5. Auflage; München; 2016.
Madejsky, M. und Rippe, O.: Die Kräuterkunde des Paracelsus; AT Verlag, Baden und München, 2006.
https://www.ptaheute.de/wissen-am-hv/wissen-am-hv-magen-darm-beschwerden/bitterstoffe-bitter-im-mund-fuer-den-magen-gesund vom 13.01.2026
https://www.vfed.de/de/vfed/berufspraxis/fachtexte siehe: Titelthemen VFEDaktuell PLUS Ausgabe 176 (Mai 2020) Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. B. Uehleke
-
NHV Theophrastus (Hrsg.): Tausendgüldenkraut – Centaurium erythraea; München, 2005.↩
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https://www.gesundheitsinformation.de/wie-funktioniert-der-geschmackssinn.html vom 14.01.2026↩
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Pschyrembel – Wörterbuch Naturheilkunde und alternative Heilverfahren mit Homöopathie, Psychotherapie und Ernährungsmedizin; Walter de Gruyter; 2. Auflage; Berlin/New York; 2000.↩
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Georgi Dr. med., Sven & Fiedler Dr. med., Thomas: Warum bitter auch gesund ist; erschienen in: Biogena inside – Journal für Nutritivmedizin; 12. Jahrgang, Nr. 1, März 2021.↩↩↩
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https://bitterkraft.com/blogs/bitterkraft-magazin/was-sind-bitterstoffe vom 13.01.2026↩
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https://naturheilbund.de/wp-content/uploads/2016/03/PK-01-Bitterpflanzenaf16.pdf vom 13.01.2026↩
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https://www.meinmed.at/gesundheit/bitterstoffe/2771 vom 13.01.2026↩